Steindruck oder Lithographie, eine der wichtigsten der vervielfältigenden Künste, heißt das von Aloys Senefelder (s. d.) erfundene Verfahren, Zeichnungen in erhabener, sowohl in Feder⸗ und Kreide⸗ als auch in Graviermanier auf Stein zu bringen und mittels einer Presse zu vervielfältigen. Zu den beiden ersten Arten bedient man sich einer chem. Tusche und chem. Kreide, zu letzterer, ähnlich der Radierung des Kupferstechers, einer Stahlnadel oder bei ganz feinen Arbeiten einer in Griffel gefaßten Diamantspitze, bei sehr tiefen Stellen auch des Stichels. Die Steinplatten bestehen aus kohlensaurem Kalk mit kleinen Mengen von kohlensaurer Magnesia und werden in Bayern gebrochen, die besten, von feinem Bruch und gleicher Farbe, bei Solnhofen (s. d.) in Mittelfranken; man findet indessen geringere Steine auch zu Chäteauroux und Dijon in Frankreich und an andern Orten. Die gelblichen sind gröber und weicher; die von einer perlgrauen und gleichen Farbe sind die besten zu feinen Arbeiten. In dem Bruche findet man sie in Tafeln verschiedener Stärke, für den Gebrauch muß eine der Oberflächen mit Sand und Wasser eben geschliffen werden, wozu man sich jetzt dazu konstruierter Schleifmaschinen bedient, um hernach mit Bimsstein poliert zu werden. Diese Platten dienen für Schriften oder Zeichnungen mit der Feder oder Nadel. Für Kreidezeichnung müssen die Steine noch besonders zugerichtet werden durch Körnen mit feinem, aber scharfem Sand oder zermalmtem Glas. Gebrauchte Steine können durch Abschleifen wieder nutzbar gemacht werden. Man macht nun die Vorzeichnung mit Bleistift oder Rötel, den man auf Glas- oder Pausepapier gerieben hat und mit einer stumpfen Nadel durchzeichnet. Die chem. Kreide oder Tusche, welche man für Schrift⸗ und Federzeichnungen anwendet, besteht aus 2 Teilen weißen Wachses, 2 Teilen Schellack, 1 Teil Seife, ½ Teil Unschlitt und 1 Teil Lampenruß, und die chem. Kreide aus3 Teilen weißen Wachses, 1 Teil Schellack, 2 Teilen Seife, ½ Teil Mastix, 1 Teil Unschlitt und 1½ Teilen Lampenruß. Für die Federmanier bedient man sich feiner Stahlfedern. Die größte Sorgfalt, sowie Verhütung, daß der Hauch nicht während der Arbeit auf die Platte fällt, ist notwendig. Bei Kreidezeichnungen kann man die dunkelsten Schatten mit chem. Tusche ausfüllen. Für die vertiefte Manier, Gravur mit Nadel und Diamant, erhält der polierte Stein vorher eine Präparatur durch übergießen oder Bestreichen mit verdünnter Salpetersäure (Scheidewasser) und, nachdem diese vermittelst weichen Wassers vollständig entfernt ist, durch Auftragung einer dünnen Auflösung von arab. Gummi, welcher nach dem Eintrocknen ebenfalls wieder entfernt wird. Um die Gravur besser sehen zu können, trägt der Lithograph gewöhnlich einen schwarzen Grund, bestehend aus 4 Teilen Ruß, 2 Teilen arab. Gummi und 24 Teilen Wasser vermittelst eines breiten Pinsels oder einer Bürste auf den Stein. Nun kann man die Durchzeichnung auf diesen schwarzen Grund bringen und die Lithographie durch Einschneiden mit der Nadel ausführen. Es genügt, wenn die Nadel den Stein leicht aufgerissen hat; ein feiner Pinsel entfernt den Staub. Ist die Lithographie in Feder-oder Kreidemanier vollendet, so breitet man eine Mischung von Säure, Wasser und Gummi darüber aus, läßt letzteres im Diere Micchune und setzt die Salpetersäure hinzu. Diese Mischung trägt man mit einem feinen Pinsel gleichförmig auf die Zeichnung auf und läßt sie trocknen, worauf sie mit Wasser wieder entfernt wird. Es wird nun die Lithographie mit einer mit Flanell und Kalbleder, neuerdings auch mit Gummi überzogenen hölzernen, vorher eingeschwärzten Walze übergangen. Die Lithographie, vor jedem Abdruck mit einem feuchten Schwamm überfahren, nimmt das Schwar auf, der übrige angefeuchtete Stein nicht. Darauf wird das schwach gefeuchtete Papier daraufgelegt, das Ganze mit einem in einen Rahmen gespannten Leder bedeckt und so durch die Presse gezogen. Hierauf wird der Abdruck sanft vom Steine abgezogen, dieser wieder gefeuchtet, wieder Farbe aufgetragen u. s. w. Nach dem Druck schwärzt man die Zeichnung mit einer fetten Farbe, der sog. Konservierfarbe, ein, die aus 2 Teilen Druckfarbe, 2 Teilen Wachs, 1 Teil Seife, 1 Teil Unschlitt untereinander geschmolzen, besteht, und überzieht dieselbe mit einer Mischung von arabischem Gummi, das in Wasser aufgelöst ist; der Stein bleibt so lange Jahre druckfähig. Beim Abdruck der gravierten Lithographie reibt man einen Teil reines Leinöl oder dünnen Firnis sorgfältig in alle Striche und wischt mit reinem Wasser den schwarzen Grund ab, wodurch die Platte weiß, die Zeichnung aber schwarz erscheint. Nun wird die Farbe mittels eines Leinwandballens eingerieben und dann die Platte mittels der Walze gereinigt. Indes wird der Druck gravierter Platten nur bei kleinen Auflagen von den Originalsteinen hergestellt, sonst von einer ÜUbertragung der Lithographie auf einen andern Stein, sog. Umdruck oder Uberdruck, sodaß die Gravierung selbst intakt erhalten bleibt; derselbe wird durch Abziehen eines Abdrucks der Lithographie feucht auf chinesischem, hinten glatt mit Kleister bestrichenem Papier, trocken auf Post- oder halbgeleimtem Kupferdruckpapier erzielt. Das Druckverfahren entspricht dann dem bei der Federmanier angewendeten. In größern Steindruckereien wird in neuester Zeit das von Jos. Eberle erfundene sog. Brennätzverfahren mit guten Erfolgen angewendet. Dasselbe besteht darin, daß der Umdruck oder die Federzeichnung, nachdem er leicht geätzt, mit Terpentin ausgewaschen und mit schwarzer gewöhnlicher Farbe gut angewalzt und der Stein trocken ist, mit Kolophoniumstaub angepudert wird; darauf wird der von Zeichnung freie Stein vermittelst Watte und Talgstein von allen Stäubchen gereinigt, um dann mit offener Stichflamme, vermittelst eigens hierzu angefertigter Lampe, erwärmt zu werden. Alle Feuchtigkeit wird hierdurch herausgezogen, der Stein wird trocken und die Farbe verbindet sich mit dem zerschmelzenden Kolophonium zu einer undurchdringlichen Schutzdecke gegen das nun vorzunehmende stärkere Atzen mit Scheidewasser und arab. Gummi. Durch dieses Verfahren kann die Zeichnung reliefartig gehoben werden, sie liefert eine viel größere Anzahl scharfer Drucke und ist in der Schnellpresse leicht zu behandeln. Auch für Kreidezeichnungen ist es anzuwenden. Der S. ist besonders von Deutschen und Franzosen kultiviert worden, von diesen mit Hinblick auf Effekt, von jenen mit soliderer Durchbildung. Hanfstängl in Dresden, Piloty und Löhle in München, Loeillot in Berlin, Engelmann in Paris sind hier mit Ruhm zu nennen. Außerdem ist die Chromolithographie oder der Farbendruck (s. d.) zu erwähnen, der durch die vereinigten Bemühungen Deutscher, Engländer und Franzosen zu hoher Stufe der Vollendung geführt wurde. Derselbe gibt seine Darstellung in mehrern, ja allen farbigen Tönen wieder. Beim Farbensteindruck wird, nachdem man auf die gewöhnliche Weise die Zeichnung lithographiert, für jede Farbe eine besondere Zeichnung auf einer andern Tafel ausgeführt; sodann druckt man auf dasselbe Blatt nacheinander alle jene Tafeln ab, bis endlich das farbige Bild in allen seinen Teilen vollendet sich darstellt. Der Abdruck muß trocken geschehen, weil die Feuchtigkeit das Papier ausweiten und dann nicht mehr Punkt auf Punkt passen würde. Mit der Verbreitung der Photographie erlitt der S. große Einbuße, welche ihm indes auf das Feld des Olfarbendrucks nicht folgen konnte, der von da an außerordentliche Verhältnisse annahm. Daneben gewann nun noch die Autographie, d. h. der überdruck einer mit chem. Tusche (autographischer Tinte) geschriebenen Handschrift oder Handzeichnung auf lithographischem Stein zum Zweck ihrer Vervielfältigung, eine namentlich für merkantile Zwecke hoch ausgebildete Anwendung. In neuerer Zeit hat der S. durch Einführung gut konstruierter Schnellpressen bedeutenden Aufschwung erhalten und eine erfolgreiche Konkurrenz, namentlich im Farbendruck, mit dem typographischen Schnellpressendruck ermöglicht. Der mit dem Umdruck einer Lithographie versehene Stein liegt auf einem mittels Schubkurbel von einer umlaufenden Stelle hin und her zu schiebenden Karren und wird durch Farbwalzen eingeschwärzt. Das Papier wird mittels eines darüberliegenden Cylinders mit Greifern zugeführt und durch diesen oder einen Reiber an den Stein gedrückt, sodaß der Handarbeit nur noch das Einlegen und Abnehmen der Papierbogen bleibt. (S. Schnellpresse.) Die Photolithographie endlich oder die Wiedergabe von Photographien auf lithographischem Wege, durch welche zur Vervielfältigung von Karten und Kunstwerken bereits Anerkennenswertes geleistet wurde, hat eine Zukunft. Gebrüder Burchard in Berlin combinierten Photolithographie und Farbendruck; diese Kombination fand Anwendung bei Spezialkarten von Frankreich für die deutsche Armee während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871; es wurde nach einer Originalkarte eine Aufnahme gemacht, diese auf Stein kopiert und dieser lithographisch abgedruckt, sodaß es möglich war, innerhalb 24 Stunden Tausende zu liefern. Zur Herstellung von Wertpapieren und Generalstabskarten wird die Photolithographie in großem Umfange und mit Erfolg benutzt. Vgl. außer den Schriften von Senefelder, Bautz, Dunst, Engelmann, Bergmann u. a. besonders die Zeitschrift Lithographiav (herausg. von Isermann, Hamb. 1861 fg.), den beschreibenden Katalog der Ausstellung von Arbeiten der vervielfältigenden Künste im Bayrischen Gewerbemuseum in Nürnberg 1877 und Lorcks Bericht über die graphischen Künste auf der wiener Ausstellung: Amtlicher Bericht' (Braunschw. 1874, Bd. 1, Gruppe 12); ferner Weishaupt, «Das Gesamtgebiet des S.» 65. Aufl., Weim. 1875, nebst Atlas).