Stelzvögel, Sumpf-⸗oder Wadvögel (Grallatores), bilden eine durch ihre Lebensweise, der die äußere Gestalt vollkommen entspricht, ziemlich Wadt gesonderte Ordnung der Vögel. Lange dünne adbeine, ein schmaler, meist fettloser Körper, ein langer sehr beweglicher Hals und ein wenig oder gar nicht gekrümmter langer Schnabel sind die allgemeinen Hauptkennzeichen derselben, wovon sich aber im speziellen manche Abweichungen zeigen. Ihre Lebensweise ist sehr Klenend Beinahe alle nähren sich von Fischen, kleinen Reptilien, Würmern und Wasserinsekten, die sie teils in gravitätischer Haltung am Rande des Wassers stehend erwarten, wie die Reiher, wobei sie eine scharnierartige Einrichtung des Kniegelenks zu langem Ausharren in dieser Stellung befähigt, teils mit dem Schnabel aus dem Schlamme aufscheuchen, unter feuchten Blättern hervorziehen oder auf der Oberfläche des Wassers ergreifen. Da die Wadvögel selten klein sind, manche sogar Mannshöhe erreichen, können sie in seichte Gewässer weit hineingehen. Manche können sogar trefflich schwimmen. Beim Fliegen strecken alle die Beine nach hinten lang aus. In Ermangelung stark gekrümmter Krallen können nur wenige auf Bäumen sitzen, viele aber selbst auf einem Beine stehend schlafen. Ihre Bewegungen sind meist steif und langsam, doch fassen Reiher und Störche ihre Beute blitzschnell durch Hervorschießen des spitzigen, harten Schnabels. Bei den insekten- und würmerfressenden Ibis und Schnepfen ist derselbe weicher und bildet zugleich ein nervenreiches Tastorgan. Wenige Wadvögel sind lebhaft gefärbt, wie die Flamingos; ihr Kleid ist meist weiß oder von schmutzigem Aussehen. Ihre Stimme, meist ein mißtönendes Geschrei, gab, in der Nacht gehört, zu mancher Fabel Veranlassung. Sie leben fast alle monogamisch, doch kommen unter den Männchen heftige Kämpfe vor. Die Eier sind oft schön bunt Dadvögel⸗ die Nester höchst kunstlos gebaut. Alle Wadvögel sind scheu und vorsichtig, obgleich ohne Spuren höherer Intelligenz. Manche gewöhnen sich an den Menschen. Durch die Vertilgung schädlch Reptilien, Würmer und Insekten sind sie nützlich und deshalb zum Theil Gegenstand des religiösen Kultus geworden, z. B. der Ibis in Agypten. Eßbar ist nur eine kleine Zahl; doch sind die Eier der meisten schmackhaft. Einige geben in —400 schönen Federn einen bedeutenden Handelsartikel ab, wie z. B. der Silberreiher in Ungarn, der Marabusiorch in Südafrika. Man hat die S. in 18 Familien geteilt: I. Rallidae, Rallen (s. d.), zu denen das Wasserhuhn (Eulica atra, Tafel: Stelzvögel II, Fig. 5), die Wasserralle (Rallus aquaticus, Fig. 10) und das Sultanshuhn (Porphyrio smaragdonotus, Fig. 13) gehören. II. Scolopacidae, Schnepfen (s.d.), mit den Strandläufern (s. d., z. B. dem isländ. Tringa canutus, Tafel I, Fig. 6), dem Säbelschnäbler (Recurvirostra avocetta, Fig. 8), den echten Schnepfen (3z. B. Scolopax rusticola, ig. 10), dem Kampfläufer (Machetes pugnax, Fig. 11) und den Brachvögeln (z. B. dem großen Numenius arquatus, Tafel II, Fig. 9). III. Chionidae, Scheidenschnäbler, mit nur 2 auf antarktischen Inseln beschränkten Arten, von denen die kleinere (Chionis minor, Tafel II, Fig. 15) die äufigere ist. IV. Thinoçoridae, Wachteldae, Spornflügler, mit auffallend großen Hande und Nägeln und mit einem Sporn am andgelenk versehene Bewohner der Tropen (3. B. in Südamerika die Jassana, Larra Jassana, Fig. 14). VI. Glareolidae, Brachschwalben, sonderbare über die Alte Welt bis Australien verbreitete, von Insekten lebende Vögel mit Schwalbenhabitus; von den 20 Arten findet sich in Europa und zwar im Südosten bloß eine, die gemeine Brachscwalbe (Glareola pratincola, Tafel I, Fig. 3). VII. Charadriidae, Regenpfeifer, eine kosmopolitische Familie mit 19 Gattungen und 101 Arten, von denen bei uns vorkommen: der Kibitz (s. d., Vanellus cristatus, Fig. 1), der Goldregenpfeifer (Charadrius auratus, 2— 2; vgl. Regenpfeifer), der Austernfischer (s. d., Haematopus ostralegus, Fig. 4), der Steinwälzer (Strepsilas interpres, Fig. 5). VIII. Otidae, Trappen (. d.) mit der vom südöstl. Europa bis Norddeutschland vorkommenden Großtrappe (Otis tarda, Fig. 7). IX. Gruidae, Kraniche (s. d.), von denen in Deutschland der graue (Grus cinerea, Tafel II, Fig. 12) vorkommt. X. Dicholophidae, eine kleine, aus einer Gattung und 2 Arten (3. B. der Seriema, Dicholophus cristatus, Fig. 2) bestehende, südamerik. Familie. XI. Aramidae, Guaraunas, reiherähnliche Vögel Südamerikas. XII. Psophiidae, Trompetervögel (s. d.), mit dem knarrenden Trompetervogel (Psophia crepitans, Fig. 8). XIII. Eurypygidae, Sonnenrallen oder Sonnenvögel (s. d., Eurypyga helias, Fig. 6). XIV. Rhinochetidae, Kagu, eine nur aus einer Art Rteih neucaled. Familie. XV. Ardeéeidae, Reiher, mit dem Reihe Reiher (Ardea cinerea, Fig. 11; s. unter eiher) und der großen Rohrdommel (Botaurus stellaris, dit 7; s. unter Rohrdommeln), XVI. Ibididae, Ibisse, zu denen der Heilige Ibis (Ibis religiosa, Tafel I, Fig. 9; s. Ibis), der südafrik. Schattenvogel (Scopus umbretta, Fig. 12) und der sonderbare und seltene Schuhschnabel (Balaeniceps rex, Tafel II, Fig. 2) aus Centralafrika gehören. XVII. Ciconiidae, Störche, eine fast kosmopolitisch verbreitete Familie mit 5 Gattungen und 20 Arten, von denen der Hausstorch (Ciconia alba, Tafel I, Fig. 13; s. Storch) in Europa ebenso gemein wie der Marabu (Leptoptilus exumenifer, Tafel II, Fig. 1; s. unter Marabuh in Ostindien ist. XVIII. Palamedeidae, Wehrvögel (. d.), mit dem Aniuma (Palamedea cornuta).