Stephänus (Robertus), eigentlich Robert Etienne (Estienne), gleichberühmt als Gelehrter wie als Buchdrucker, geb. 1503 zu Paris, der Sohn des Buchdruckers Henricus S. (geb. 1460, gest. 1520), widmete sich den gelehrten Studien und besaß die gründlichste Kenntnis des Lateinischen, Griechischen und Hebräischen. Nach seines Vaters Tode arbeitete er einige Jahre gemeinschaftlich mit seinem Stiefvater Simon de Colines (Colinaeus) und besorgte eine Ausgabe des Neuen Testaments, welche alle frühern an Korrektheit übertraf, ihm aber auch, da er manche Anderungen vorgenommen hatte, den Haß der Sorbonne zuzog. S. heiratete bald darauf die Tochter des Buchdruckers Jodocus Badius Ascensius, Petronella. Um 1526 errichtete er eine Druckerei unter seinem Namen, aus welcher eine Reihe der schätzbarsten Werke hervorging. Seine Ausgaben griech. und röm. Klassiker bereicherte er größtenteils mit Noten und Vorreden. Dabei sorgte er eifrig für Korrektheit und heftete zu dem Zwecke die Probebogen öffentlich an, indem er für entdeckte Fehler Belohnungen versprach. Um 1532 ließ er eine zierliche Schrift verfertigen, mit welcher er die schöne lat. Bibel von 1532 druckte. Sie zog ihm neue Verfolgungen zu, vor denen er sich nur durch den Schutz des Königs Franz I. und durch das Versprechen sichern konnte, in Zukunft nichts ohne Zustimmung der Sorbonne zu drucken. Darauf gab er 1534 die erste Ausgabe seines trefflichen TIhesaurus linguae Latinaen heraus, den er in jeder folgenden mehr vervollkommnete. Im J. 1539 wurde er zum königl. Buchdrucker für das Lateinische und Hebräische ernannt. Auf sein Ansuchen ließ Franz I. die schönen Schriften gießen, welche die königl. Druckerei in Paris noch jetzt besitzt. Wegen neuer Anfechtungen, die ihn wegen seiner Bibelausgabe von 1545 trafen, ging er 1552 nach Genf, wo er zur reform. Kirche übertrat, mit seinem Schwager Konrad Badius das Neue Testament französisch druckte, eine eigene Druckerei errichtete und 7. Sept. 1559 starb. Nicht minder berühmt ist sein Sohn, Henricus S. oder Henri Etienne, geb. zu Paris 1528. Schon als 20jähriger Jüngling gab er Anmerkungen zum Horaz heraus. Er reiste zweimal nach Italien, um die Schätze der dortigen Bibliotheken zu benutzen, und brachte wertvolle Abschriften mehrerer Klassiker mit. S. folgte, wie es scheint, dem Vater nach Genf, war aber 1554 wieder in Paris und begann 1557 in einer eigenen Druckerei einige Werke herauszugeben, wobei ihn Ulrich hre off mit Geld unterstützte. Da er der neuen Lehre öffentlich anhing, sah er sich oft in seinen Arbeiten unterbrochen. Im J. 1566 gab er die lat. Übersetzung des Herodot von Valla aufs neue heraus. Die Sammlung für ein griech. Wörterbuch, welche schon sein Vater begonnen hatte, setzte er mit Eifer fort und gab hierauf den Thesaurus linguae Graecaes (1572; neue Ausg., Lond. 1816 —26; neueste von Haase und Dindorf, Par. 1836 fg.) heraus. Der Auszug, den Scapula gleich nach dem Erscheinen besorgte, bewirkte, daß der Absatz nur langsam erfolgte, und so geriet S. in große Verlegenheit. Er zog sich endlich vom Hofe zurück und lebtezu Orléans, Paris, Frankfurt, Genf und Lyon. Auf seiner Reise nach letzterm Orte wurde er krank und starb im Hospital im März 1598, wahrscheinlich in Geisteszerrüttung. Sein Sohn, Paulus S. (geb. zu Genf 1566, gest. um 1627), zeichnete sich durch treffliche Ausgaben klassischer Dichter und Redner, die aus der von ihm in seiner Geburtsstadt errichteten Druckerei hervorgingen, gleichfalls rühmlich aus. — Der Buchdrucker Charles Etienne, ein Bruder Roberts, geb. 1504, gest. 1564, ist bekannt durch sein Dictionnaire historique etc.o (Genf 1546), den Vorläufer der englischen geogr. Wörterbücher. — Anton Etienne, ein Sohn von Paulus S., geb. 1592 zu Genf, gest. 1674 erblindet im Hötel de Dieu zu Paris, druckte daselbst bis 1664. über die ganze Familie Etienne vgl. Renouard, Annales de Pimprimerie des Etienneso (2. Aufl., 2 Bde., Par. 1843); F. Didot in Nouvellebiographie généraler (Bd. 16, Par. 1856); Bernard, Les Etiennes et les types grecs de François I (Par. 1856).