Sterubilder heißen diejenigen Gruppen, in welche die Astronomen die Fixsterne zur leichtern übersicht und Bezeichnung unter Beilegung bestimmter Namen abgeteilt haben. Ihre Kenntnis macht einen Gegenstand der Astrognosie (s. d.) aus. Schon im Altertume machte man den Anfang mit jener Einteilung. Die Bilder, unter welchen man sich gewisse beisammenstehende Sterne vorstellte, nahm man teils von Gegenständen der Erde, z. B. von Tieren, teils von mythischen Personen her und benannte sie nach diesen, wobei die Willkür völlig freies Spiel hatte, sodaß zwischen der Stellung der Sterne und den S. nicht die mindeste Ahnlichkeit stattfindet. Die Griechen lernten die S. teilweise von den Agyptern kennen, bei welchen sich ihr Gebrauch in das Dunkel des Altertums verliert. Von den Griechen ging der Gebrauch der S. auf die Römer über, von diesen auf die christl. Völker, und auch die Gegenwart bedient sich noch der bei den riech. Astronomen üblich gewesenen Namen. Ptoemäus führt in seinem &Almagesto 48 S. auf, welche noch jetzt die Ptolemäischen heißen. Sie sind folgende: 1) die 12 S. des Tierkreises (s. d.); 2) die 22 S. der nördl. Halbkugel: der große Bär, der kleine Bär, der Drache, Cepheus, Kassiopeia, Andromeda, Perseus (mit dem Medusenhaupt), Pegasus, das kleine Pferd, der nördl. Triangel, der Fuhrmann mit der Ziege, Bootes oder der Bärenhüter, die nördl. Krone, Ophiuchus oder der Schlangenträger, die Schlange, Hercules, der Adler, der Pfeil, die Leier mit dem Geier, der kleine Hund, der Schwan und Delphin; 3) die 14 S. der südl. Halbkugel: Orion, der Walsisch, Eridanus, der Hase, der große Becher⸗ Hydra oder die große Wasserschlange, der Becher, der Rabe, der Centaur, der Wolf, der Altar, der südl. Fisch, das Schiff Argo und die südl. Krone. Die Dichter des Altertums verknüvften die S. mit Mythen und Sagen. Indessen sind mit diesen S. mancherlei Veränderungen vorgegangen; auch kamen schon bei den Alten noch mehrere hinzu, besonders das Haupthaar der Berenice und Antinous, welche Tycho de Brahe wieder einführte. Aber immer blieb den neuern Astronomen noch eine reichliche Nachlese. Bartsch hat 2 und Hevelius 10 neue S. eingeführt: den Sobieskischen Schild, das Einhorn, das Kamelopard oder die Giraffe, den astron. Sertanten, die Jagdhunde, den kleinen Löwen, den Luchs, den Fuchs mit der Gans, die Eidechse, den kleinen Triangel, Cerberus und den Berg Mänalus. Als die Europäer anfingen, die südl. Halbkugel der Erde zu beschiffen, mußten ihnen viele Sterne zu Gesicht kommen, welche sie vorher noch nie gesehen hatten, weil sie in Curopa unsichtbar sind. Auf diese Weise kamen im 16. Jahrh. ebenfalls 12 neue hinzu: der Indianer, der Kranich, der Phönir, die Fliege, der südl. Triangel, der Paradiesvogel, der Pfau, der Tucan, die kleine Wasserschlange, der Schwertsisch, der fliegende Fisch und das Chamäleon. Diesen fügte Halley 1674 bei seinem Aufenthalte auf St. Helena die Karlseiche und Lacaille 1750 während seines Aufenthalts am Vorgebirge der Guten Hoffnung folgende 14 hinzu: die Bildhauerwerkstatt, den chem. Ofen, die Pendeluhr, das rautenförmige Netz, den Grabstichel, die Staffelei, den Schiffskompaß, den Oktanten, die Luftpumpe, den Zirkel das Lineal und Winkelmaß, das Fernrohr, das Mikroskop und den Tafelberg. Dazu sind nach und nach noch hinzugekommen: die Buchdruckerwerkstätte, das lappländ. Renntier, der Einsiedler, der Messier oder der Erntehüter, der Poniatowskische Stier, Friedrichsehre, das brandenb. Scepter, die Georgsharfe, Herschels Teleskop, die Taube, das Kreuz, das Herz Karls II., der Mauerquadrant, der Luftballon, die Elektrisiermaschine, Log mit der Leine und die Setzwage. Im ganzen zählt man jetzt 48 alte und 58 neue, also 106 S., die jedoch auf neuern Sternkarten, z. B. auf der Argelanderschen und Heisschen, nicht alle beibehalten sind. Auf Karten mit teleskop. Sternen werden die Bilder ganz vermieden. Die beigegebene Tafel: Sternkartedes nördlichen Himmels, enthält eine Darstellung des nördl. Himmels vom Pol bis zum Aquator mit allen Sternen bis zur 5. Größe, welche durch verschiedene Zeichen voneinander zu unterscheiden sind. Die Sternbilder sind als Bilder nicht angegeben, sondern, wie dies der größern Deutlichkeit wegen jetzt fast immer geschieht, nur die Grenzen durch punktierte Linien. In jedem Sternbild steht der Name und die Hauptsterne tragen die griech. Buchstaben. Die Milchstraße, sowie die dem bloßen Auge sichtbaren Nebelflecken und Sternhaufen sind ebenfalls durch punktierte Gruppen angegeben. Ferner enthält die Karte die Parallelkreise von 15 zu 15 Grad, die Stundenkreise, die Ckliptik; man kann daher nach den Angaben der Deklination und Rektascension die