FeedStigma (grch.)
TechnikBrockhaus 1882

Stigma (grch.), eigentlich der mit einem spitzigen Werkzeug gemachte Stich oder Punkt überhaupt, hieß bei den Römern besonders das wegen eines begangenen Verbrechens dem Thäter, namentlich diebischen oder entlaufenen Sklaven, zur Beschimpfung eingeätzte Zeichen oder Brandmal, das in der Regel aus gewissen Buchstaben bestand. Dieses Stigmatisieren erfolgt noch jetzt in einigen Ländern bei den zur Galere Verurteilten. In der katholischen Kirche werden als Stigmatisierte solche Personen bezeichnet, an deren Leibe sich die fünf Wundmale Christi zeigen und zeitweilig bluten sollen; am bekanntesten sind Franz von Assisi und in der neuern Zeit Katharina Emmerich zu Dülmen, Maria von Mörl und insbeem sie im Frühjahr 1868 ihr Noviziat im Orden des heil. Franz von Assisi beendigt utuw⸗ sich im Herbst 1868 jeden Freitag diese Blutungen einöur der Neuere chem. Forschungen haben ergeben, aß derartige Blutungen sehr leicht auf künstlichem zege erzeugt werden können, wenn man die Haut mit einer Lösung von Eisenchlorid oder besser noch von schwefelsaurem Eisenoxyd einreibt (welche Operation durchaus keine sichtbaren Spuren hinterläßt) und dann die betreffenden Stellen mit einer sehr verdünnten wässerigen Lösung von Rhodankalium bespritzt,‚ worauf sofort eine höchst intensive scheinbare Blutung eintritt, da sich Eisenrhodanid bildet, welches sich durch seine intensive rein blutrote • auszeichnet. Der ganze Vorgang wirkt um so täuschender, da die Rhodankaliumlösung vollständig farblos ist. Nach der Ansicht mancher Neuropathologen ist übrigens die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß bei hysterischen und nervösen, durch Fasten und leibliche Kasteiungen geschwächten Personen, welche auf Grund ihrer hochgradigen psychischenHyperästhesie infolge einer Illusion oder Hallucination (wie sie bei Geisteskranken tagtäglich vorkommt) die Wundmale Christi an ihrem Körper fühlen, eine besonders leichte Erregbarkeit der vasomotorischen Nerven besteht, infolge deren es an den betreffenden Hautstellen zu zeitweiligen Hyperämien und Transsudationen, selbst zu Blutungen kommen könne. In der Botanik ist Stigma gleichbedeutend mit Narbe, s. unter Stempel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 240Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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