Stöckhardt (Jul. Adolf), Agrikulturchemiker, geb. 4. Jan. 1809 zu Röhrsdorf bei Meißen, wo sein Vater Pastor war, widmete sich der Pharmacie in der Apotheke zu Liebenwerda und machte seine Studien zu Berlin. Von einer Reise nach England und Frankreich zurückgekehrt, arbeitete er im Struveschen Laboratorium zu Dresden und erhielt 1838 die Stelle eines Lehrers der Naturwissenschaften im Blochmannschen Institut daselbst, die er 1839 mit der eines Lehrers der Chemie und Physik an der Gewerbeschule in Chemnitz vertauschte. Hier wirkte er bis 1847, wo er als Professor der Agrikulturchemie an die Akademie für Forst⸗ und Landwirte nach Tharand berufen wurde. Schon zu Chemnitz hatte sich S. um die gewerbliche Chemie, vorzüglich um die Bereitung der Farben Verdienste erworben, auch nebenbei seit 1839 als A othekenrevisor für die eine Hälfte der sächs. Apotheken erfolgreich gewirkt. S. erwarb sich große Verdienste um die Agrikulturchemie (s. d.) und zwar dadurch, daß er diesen Zweig der Wissenschaft popularisierte und in gewisser Hinsicht selbst zum Gemeingut der bäuerlichen Landwirte machte. Es geschah dieses durch Schriften, die große Verbreitung erlangten, wie die „Schule der Chemier (18. Aufl., Braunschw. 1876), „Chem. Feldpredigten für deutsche Landwirte v (4. Aufl., 2 Tle., Lpz. 1857), 4Guanobüchleino (4. Aufl., Lpz. 1856) und «Zeitschrift für deutsche Landwirtschafto, die er seit 1840 mit Schober herausgab. Zugleich wirkte er bei den landwirtschaftlichen Vereinen und alljährlichen Versammlungen der Forst⸗ und Landwirte durch freie, von Experimenten begleitete Vorträge über die wichtigsten Lehren der Agrikulturchemie, besonders das Düngerwesen. Er starb 1. Juni 1886 zu Tharand. Von seinen frühern Schriften sind besonders die »Untersuchung der zwickauer Steinkohlen» (Chemnitz 1840) und «Über Farben und Giftfarbenv (2. Aufl., Lpz. 1841) hervorzuheben. Von 1855 bis 1875 gab er, als eine Fortsetzung der Chem. Feldredigten», eine selbständige agrikulturchem. Zeitrift Der chem. Ackersmann» (Lpz.) heraus, durch welche er besonders auch die Idee der agri⸗