FeedStoffwechsel
NaturlehreBrockhaus 1882

Stoffwechsel in der Pflanze ist die Bezeichnung, unter welcher man in der Botanik alle diejenigen chemischen Vorgänge zusammenfaßt, die fur die Ernährung der Pflanzen von Wichtigkeit sind. Dazu gehören vor allem die Prozesse der Assimilation (s. d.), der Atmung (s. d.) und der Eiweißbildung (s. d.), außerdem die Entstehung der mannigfachen andern Stoffe, die sich in den Pflanzen vorfinden, wie Farbstorffe, Alkaloide, Glykoside, ätherische Sle, Harz, Gummi u. s. w. Aus den von den Pflanzen aufgenommenen Nährstoffen werden die verschiedensten chemischen Verbindungen gebildet. Die Synthese dieser Verbindungen, wie sie in der Pflanze sich abspielt, ist für die meisten Stoffe änzlich unbekannt, selbst die am genauesten unteruchte Kohlenstoffassimilation, d. h. die Bildung von Kohlehydraten aus Kohlensäure und Wasser in den grünen Pflanzenteilen ist bis jetzt noch nicht vollständig klar gelegt. (Vgl. Ass imilation.) Da nur eine geringe Anzahl von Elementarstoffen für die Pflanzenernährung (s. Ernährung der Pflanzen) notwendig sind, so muß auch die Synthese der verschiedenen in den Pflanzen vorkommenden Verbindungen auf diese wenigen Elemente sich zurückführen lassen. Aber welche Bedeutung z. B. Kalium, Calcium, Magnesium für jene Synthesen haben, ist noch unaufgeklart. Man kann nur Vermutungen aufstellen, daß z. B. das Kalium indirekt an der Bildung der Kohlehydrate und speziell an der Aufspeicherung der Stärke teilnehme und daß das Calcium bei der Synthese der Eiweißstoffe mittelbar eine Rolle spiele, aber genauere Beweise dafür fehlen Das für grüne Pflanzen notwendige Eisen ist jedenfalls bei der Bildung des Chlorophylls beteiligt, ob es aber an der Zusammensetzung des Chlorophyllfarbstoffs selbst teilnimmt, oder ob es bloß indirekt für die Entstehung derselben notwendig ist, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, da man die chemische Zusammensetzung dieses Körpers zur Zeit überhaupt noch nicht kennt. Die Untersuchungen, die bisher über den S. in der Pflanze angestellt wurden, sind zwar sehr zahlreich, doch ist die Anzahl der dadurch erhaltenen sichern Resultate eine ver-Zuruunft und sehr geringe und es muß deshalb der ukunft und besonders der Weiterentwickelung der organischen Chemie vorbehalten bleiben, *. diesem Gebiete der Physiologie mehr Klarheit zu verschaffen. Eine genaue Angabe der Litteratur über diesen Gegenstand findet sich in Pfeffer, Pflanzenphysiologies (Bd. 1: «Stoffwechselv, Lpz. 1881.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 257Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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