FeedStolberg (Christian, Graf zu)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Stolberg (Christian, Graf zu), deutscher Dichter, von der Linie Stolberg-Stolberg, geb. zu Hamburg 15. Okt. 1748, der Sohn des Grafen Christian Günther, dän. Geheimrats und Oberhofmeisters der Königin Sophia Magdalena von Dänemark, studierte 1770—73 in Halle und Göttingen und gehörte hier nebst seinem Bruder zu dem dortigen Dichterbunde. S. wurde 1777 Amtmann zu Tremsbüttel in Holstein und vermählte sich mit der in seinen Gedichten gefeierten Luise, Gräfin von Reventlow, verwitweten Hofjägermeisterin von Gramm. Nachdem er 1800 sein Amt niedergelegt, lebte er auf seinem Gut Windebye bei Eckernförde im Schleswigschen und starb 18. Jan. 1821. Steht er auch an dichterischer Begabung seinem jüngern Bruder nach, so fehlt es doch seinen Gedichten weder an Begeisterung und Innigkeit des Gefühls noch an Kraft des poetischen Ausdrucks. Am besten aber gelang ihm die Darstellung sanfterer Gefühle und häuslicher Bilder. Seine Gedichte sind vereinigt mit denen seines Bruders erschienen (Lpz. 1779; neue Aufl., Hamb. 1822); ebenso die für die theatralische Darstellung nicht geeigneten Schauspiele mit Chörend (Lpz. 1787), von welchen ihm (Balsazary und «Otaneso angehören. Beiden Brüdern gemeinsam sind auch die Vaterländischen Gedichtes (Hamb. 1815), in welchen sie freilich die neue Zeit nach einem veralteten Maßstabe auffaßten. Auch lieferte S. «Gedichte aus dem Griechischeno (Hamb. 1782) und eine übersetzung des Sophokles (2Bde. Lpz. 1787) in fünffüßigen Jamben, die Chöre in lyrischen Silbenmaßen, ein für seine Zeit sehr verdienstliches Werk. Seine sämtlichen poetischen Arbeiten finden sich in der Ausgabe der »Werke der Brüder S.v (20 Bde., Hamb. 1820—25).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 261Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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