Stolberg-Wernigerode (Otto, Graf zu), Haupt des mediatisierten gräflichen Hauses Stolberg, deutscher Staatsmann, geb. zu Gedern im Großherzogtum Hessen 30. Okt. 1837, besuchte das Gymnasium zu Duisburg, studierte 1856—58 zu Göttingen und Heidelberg Jura und Kameralia und diente 1859—61 als Offizier in der preuß. Armee. Nachdem er sich hierauf mehrere Jahre der Verwaltung seiner ausgedehnten Güter gewidmet hatte, wurde er 1867 zum Oberpräsidenten der Provinz Hannover ernannt, welche Stellung er bis 187³ innehatte und auf welchem Posten er bei den eigentümlichen polit. und administrativen Schwierigkeiten dieser Provinz eine hervorragende Verwaltungsben Reie bekundete. Im J. 1867 dem Konstituierenden Reichstage und seit 1871 dem Deutschen Reichstage als Mitglied angehörend, hielt er sich hier zur Deutschen Reichspartei (Freikonservative Fraktion). In der deutschen Volksvertretung sowohl als auch im preuß. Herrenhause, dessen erbliches Mitglied er ist und in dem er 1872—76 als Präsident fungierte, hat S. vielfach seine staatsmännische und polit. Befähigung bewiesen. Am 4. März 1876 wurde er als Botschafter des Deutschen Reichs in Wien akkreditiert und behielt diese Stellung, bis er 29. Mai 1878 zum preuß. Staatsminister und Vizepräsidenten des preuß. Staatsministeriums ernannt und bald darauf (Juli 1878) auch mit der allgemeinen Stellvertretung des Reichskanzlers beauftragt wurde. Nach dreijähriger Wirksamkeit schied er aus diesem Amt (20. Juni 1881) und wurde 1884 zum Oberst-Kämmerer und stellvertretenden Minister des königl. Hauses ernannt. Im J. 1872 wurde S. Kanzler des Johanniterordens und 1875 Vorsitzender der zur Vereinbarung einer Kirchenverfassung für die prot. Kirche in Preußen berufenen außerordentlichen Generalsynode.