Simonides ist der Name 1r berühmter griech. Dichter. Der ältere (der aber, wie es scheint, vielmehr Semonides hieß), der Sohn des Krines, von der Insel Amorgos (ursprünglich von Samos, von wo er eine Kolonie nach Amorgos führte), um 660 v. Chr. blühend, verfaßte zwei Bücher iambische Gedichte, von denen mehrere Fragmente erhalten sind, darunter ein ziemlich umfangreiches, das eine spöttische Schilderung der Weiber nach verschiedenen Klassen, deren charakteristische Eigentümlichkeiten von verschiedenen Tieren hergeleitet werden, enthält. Sie sind am besten bearbeitet von Welcker (Bonn 1835), in Schneidewins Delectus poesis Graecorumo (Sekt. 2, Gött. 1839) und in Bergks (Poetae lyrici Graecip (4. Aufl., Bd. 2, Lpz. 1882). Bedeutender ist S., der Sohn des Leoprepes, aus Julis auf der Insel Keos, der mit Pindar die höchste Blüte der lyrischen Dichtung der Griechen vertritt. Geb. 556 v. Chr., verfaßte er wohl zuerst in Karthäa, einer Stadt seiner Heimatsinsel, Chor-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. gesänge für Feste des Apollon, ging dann wohl nach Großgriechenland und lebte heru) zu Athen an dem Hofe der Pisistratiden und nach Vertreibung derselben in Thessalien an dem Hofe der Skopaden, der Dynasten von Krannon. Beim Beginn der Perserkriege war er wieder im eigentlichen Hellas und hielt sich wohl meist in Athen auf. Er stand mit Themistokles, sowie auch mit dem Spartaner Pausanias in Verbindung. Sein Ruhm als Dichter war schon damals so groß, daß ihm eine Anzahl griech. Staaten Aufträge gaben, die bedeutendsten Ereignisse der Perserkriege teils durch größere Dichtungen, teils durch Epigramme für die Gräber ihrer in den Schlachten gefallenen Bürger zu verherrlichen, sodaß er gewissermaßen als offizieller Dichter der gegen Persien verbündeten Hellenen in jener Zeit betrachtet werden kann. Der bereits 80jährige Dichter folgte 476 einer Einladung des Hieron nach Syrakus und lebte dort zugleich mit seinem Neffen Bakchylides und mit Pindar in hohem Ansehen bis zu seinem im J. 467 v. Chr. erfolgten Tode. Wenn S. auch in Hinsicht der natürlichen Begabung und des hohen dichterischen Schwungs wie des sittlichen Ernstes hinter seinem Zeit- und Kunstgenossen Pindar zurückstand, so übertraf er diesen in Bezug auf verständige Klarheit und maßvolle Feinheit des Ausdrucks. Er hat sich fast in allen Gattungen der Lyrik, auch in der elegischen und epigrammatischen Dichtung mit Erfolg versucht; den meisten Beifall aber erntete er bei der Mit- und Nachwelt für seine Threnoi, Trauergesänge voll wehmütiger Klage, und seine Epigramme. Die geringen Reste seiner Dichtungen sind am besten behandelt von Schneidewin (Braunschw. 1835, und im Delectus poesis Graecorumo, Gött. 1839) und von Bergk in den «Poetae lyrici Graecip (Bd. 3, 4. Aufl., Lpz. 1882). Vgl. Richter, «S. der Altere von Keosp (Schleus. 1836).