FeedStradella (Alessandro)
MusikBrockhaus 1882

Stradella (Alessandro), berühmter Tonsetzer und Sänger des 17. Jahrh., geb. um 1615 zu Neapel. Durch sein tragisches Geschick ist sein Name allgemein bekannt geworden. Der Er ählung eines Zeitgenossen zufolge wurde er nach Venedig engagiert, um für die Karnevalszeit als Komponist und Sänger bei der Oper zu wirken. Dort gab er zugleich der Geliebten eines venet. Nobile Unterricht im Gesange, und Lehrer und Schülerin faßten bald eine so heftige Leidenschaft zueinander, daß sie zusammen aus Venedig entflohen. Der Nobile ließ die Flüchtigen durch Bravos verfolgen, die gerade in Rom eintrafen, als S. im Begriff stand, das noch erhaltene Oratorium seiner Komposition: «San Giovanni Battistaß, in der Laterankirche aufzuführen. Die Musik machte jedoch einen solchen Eindruck auf die Mordgesellen, daß sie die Liebenden verschonten. Diese wählten nun zur Sicherheit Turin. Aber auch hier sah sich S. von neu gedungenen Bravos überfallen, die ihm auf einem Spaiergange mehrere Wunden beibrachten, während — Geliebte der Sicherheit wegen in einem Kloster weilte. Nachdem S. genesen, heiratete er seine Geliebte und ging mit dieser nach Genua, wo er unter andern seine Oper La forza dell' amor paternop zur Aufführung brachte. Am Morgen nach der Vorstellung ließ der unversöhnliche Venetianer ihn zum dritten mal überfallen und S. samt seiner Gattin in ihrer Wohnung durch Dolchstiche ermorden. Es geschah dies um 1682. Außer den genannten Werken komponierte S. noch viele Cantaten, Madrigalen, Kammerduette, Serenaden, Opern und Oratorien, von denen in verschiedenen Bibliotheken noch manches erhalten, aber bisher wenig im Druck erschienen ist. Sämtliche Stücke beweisen, daß S. auch als Komponist zu den größten Meistern seiner Zeit gerechnet werden muß. Flotows Oper «Alessandro S.» (1844) hat die Geschichte dieses Künstlers zum Gegenstand.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 272Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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