Stralsund, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Provinz Pommern sowie des ehemaligen Schwedisch-Pommern, liegt an dem 2,5 km breiten Strelasunde, welcher Rügen vom Festlande scheidet und dessen nördl. Teil Gellen eißt, und ist Station der Linien Berlin-S., S.⸗ zasewalk-Angermünde, S.⸗Bergen und S.⸗Rostock der Preußischen Staatsbahnen. Die Stadt zählt (1885) 28981 E. und bildet eine teils von der See, teils von großen Teichen umgebene Insel, die mit dem festen Lande durch drei Dämme verbunden ist. Diese natürliche Festigkeit war früher noch durch ansehnliche Festungswerke verstärkt, die 1808 geschleift, 1816 aber wiederhergestellt wurden; seit 1873 hat S. den Hiiin der Festung verloren, nur die zur Stadt gehörige, dicht neben der Frankenvorstadt im Sunde gelegene große Insel Da nholm (bis ins 13. Jahrh. Strela oder Stralo geheißen) ist befestigt geblieben; sonst sind die Wälle zu anmutigen öffentlichen Anlagen umgeschaffen worden. Die Stadt hat enge, aber ziemlich parallele, gut— Giebent ve Straßen und noch viele mit stattlichen Giebeln versehene Häuser, welche ihr ein altertümliches Ansehen geben. S. ist Sitz der königl. Regierung, eines Amtsgerichts, eines Eisenbahnbetriebsamts und einer Reichsbankstelle. Die drei Hauptkirchen; die großartige Marienkirche, die Nikolai- und die Jakobikirche, sind im got. Stil erbaut und enthalten mancherlei Merkwürdigkeiten. Die Aussicht vom hohen Turme der Marienkirche ist sehr lohnend. Im schönen Rathaus, dessen Marktfagade neuerdings vortrefflich restauriert ist (im 13. und 14. Fahrh. erbaut), mit herrlichem Saale befindet sich eine nicht unansehnliche öffentliche Bibliothek und das Neuvorpommersche Museum, insbesondere bedeutend für die früheste Geschichte Neu-Vorpommerns (sehr reich an Altertümern aus der Steinzeit). Andere ansehnliche Gebäude sind das Regierungsgebäude, das altertümliche G manasium, das eughaus (ursprünglich eine Klosterlirche), das Trankenhaus, das Johanniskloster (jetzt großenteils Armenhaus) u. s. w. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen ein Gymnasium (seit 1560) mit Bibliothek und Münzkabinett, ein Realgymnasium, eine Navigationsschule. Im J. 1859 wurde Schill (. d.), welcher hier 31. Mai 1809 (an einer durch einen Stein bezeichneten Stelle der Fährstraße) fiel, ein Grabdenkmal errichtet. Die Gewerbs⸗ und Fabrikthätigkeit S.s ist zwar mannigfaltig, aber von keiner großen Bedeutung. Es bestehen Fabriken für Spielkarten, Ol, Maschinen, Stärke, Bier u. s. w. Der Seehandel erstreckt sich besonders auf die Ausfuhr von Getreide und Malz. Die eigentliche Reederei zählt (1882) 247 Seeschiffe von 41176 Registertons: 1884 liefen im Hafen von S. 542 Seeschiffe von 211587 ebm Raumgehalt und 1964 Binnenfahrer von 152996 ebm Raumgehalt ein, 513 Seeschiffe und 1964 Binnenfahrer aus. Durch tägliche Dampfschiffahrt steht S. mit Schweden (Malmö), Rügen und Barth in directer Verbindung. S. wurde 1209 von dem Fürsten Jaromar von Rügen gegründet, aber wiederholt zerstört. Als Mitglied der Hansa hob es sich zu hohem Wohlstande; schon damals trieb es einen bedeutenden Handel mit den verschiedensten Gegenständen. Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Stadt 13. Mai bis 24. Juli 1628 von Wallenstein vergeblich belagert. Nach einem heftigen Bombardement mußte sie sich 1678 dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg übergeben; doch wurde sie im folgenden Jahre an Schweden zurückgegeben. Auch im Nordischen Kriege wurde sie 1715 von den Verbündeten genommen, jedoch 1720 ebenfalls wieder an Schweden abgetreten. Am 31. Mai 1809 wurde die von Schills Freischaren besetzte Stadt von Dänen und Holländern erstürmt. Durch den Frieden zu Kiel von 1814 kam S. nebst ganz Schwedisch-Pommern an Dänemark und von diesem durch den Vertrag vom 4. Juli 1815 an Preußen; doch behielt es fortwährend seine alte, sehr ausgebildete Verfassung und Verwaltung. Die Bürgermeister, der Syndikus und die Ratsherren haben als solche nach einem Privilegium Karls XII. den persönlichen Adel. Die Stadt hat überdies noch manche Privilegien und Vorrechte, z. B. die Jura consistorialia, welche sie erhielt, als sie protestantisch wurde, während die Herzöge noch katholisch waren. Seit 1849 ist die städtische Gerichtsbarkeit aufgehoben. Vgl. Mohnike und Zober, „Stralsundsche Chroniken » (2 Tle., Strals. 1833—34); Kruse, (Bruchstücke aus der Geschichte der Stadt S. »(2 Bde., Strals. 1846—48);: Brandenburg, «Geschichte des Magistrats der Stadt S. (Strals. 1837): Zober, „Geschichte der Belagerung S.s durch Wallenstein⸗ (Strals. 1828); Fabricius, «Der Stadt S. Verfassung und Verwaltungo (Strals. 1851); Fock, &Wallenstein und der Große Kurfürst vor S. » (Bd. 6 der «Rügensch-Pommernschen Geschichten », Lpz. 1872); Francke, Aus S.s Franzosenzeite (Strals. 1870); derselbe, «Das Verfestungsbuch der Stadt S.v (Halle 1875); Lorenz, &S., Plan und Fremdenführer» (Strals. 1883). Der Regierungsbezirk Stralsund ist aus dem ehemaligen Neu-Vorpommern und der Insel Rügen (Schwedisch-Pommern) gebildet, hat ein Areal von nur 4009,65 km, zählt (1885) 210219 C. und begreift die Kreise Stadt S., Franzburg, Grimmen, Greifswald und Rügen. tralzio (vom ital.), sov. w. Liquidation oder Geschäftsauflösung; stralzieren, liquidieren.