FeedStraubing
ErdkundeBrockhaus 1882

Straubing, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, rechts an der Donau, über die hier zwei Brücken führen, sowie an der Linie Passau-Regensburg der Bayrischen Staatsbahnen, die hier nach Neufahrn abzweigt, liegt in einer höchst fruchtbaren Gegend, ist Sitz des Schwurgerichts für Niederbayern, eines Bezirksamts, eines Landgerichts und eines Amtsgerichts und zählt (1885) 13209 E. Die Stadt hat einen schönen Marktplatz mit Dreifaltigkeitssäule und zehn zum Teil sehr ansehnliche Kirchen, darunter die got. St. Jakobskirche (1492 —1512 erbaut) mit einigen alten Gemälden, angeblich von Wolgemuth, und die ebenfalls got. Karmeliterkirche von 1430 (jetzt Gymnasialkirche) mit dem schönen Grabmal Herzog Albrechts II. DasSchloß bewohnte einst Herzog Albrecht III. mit seiner Gemahlin Agnes Bernauer (s. d.), die hier w1435 von der Donaubrücke in den Strom gestürzt wurde. Ihr Grabmal befindet sich in einer Kapelle nahe an der St. Peterspfarrkirche in der Altstadtvorstadt. An dem Geburtshause Fraunhofers (s. d.Yist dessen Büste aufgestellt. S. hat ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar mit einer Taubstummenanstalt, eine Realschule, ein bischöfl. Knabenseminar, eine Anstalt für männliche Kretinen, drei Spitäler für verarmte Gemeindeangehörige und ein Waisenhaus, mit welchem eine Pflegeanstalt für verwahrloste Kinder verbunden ist. Zwei Mönchsklöster beschäftigen sich mit Seelsorge und Krankenpflege; von den zwei Nonnenklöstern versieht das eine ein weibliches Erziehungsinstitut und den deutschen Schulunterricht für Mädchen, das andere ein weibliches Krankenhaus. S. treibt Brauerei und Gerberei, sowie bedeutenden Handel mit Getreide, Pferden und Rindvieh. Der Ursprung S.s geht bis in die Römerzeit zurück. Im 18. Jahrh. zeichneten sich die Straubinger 1704 und 1742 durch tapfere Verteidigung ihrer Stadt aus. Früher war S. Lanr. Rene von Niederbayern, dann bis 1835 des bayr. Regenkreises. Vgl. Wimmer, »Sammelblätter zur Geschichte der Stadt S.» (Heft 1—3, Strau-Baum (s. d.) ein Holzgewächs, dessen Stamm sich von der Wurzel an in mehrere Aste teilt, die als Einzelstämme erscheinen. Eine strauchartige Form entsteht auch dadurch, daß Stämme von Laubholzbäumen abgehauen (aauf den Stock gesetzto werden, indem dann der übriggebliebene Stock durch Adventivtnospenbildung oder auch aus schlafenden Augen obden. Stae eine Anzahl Stämme (Stockohden, Stockausschläge) treibt. Die echten Sträucher zerfallen der relativen Höhe nach, welche sie erreichen, in Sträucher erster, zweiter, dritter Größe und in Erdhölzer, worunter man Sträucher dritter Größe mit niederliegenden Stämmen und Asten versteht . B. die Zwergbirke, der Zwergwachholder). Eine andere Form von strauchartigen Gewächsen sind die Halbsträucher (suffrutices), welche den Übergang von den Holzgewächsen zu den Rhizomgewächsen oder perennierenden Kräutern bilden. Halbsträucher sind solche ausdauernde Gewächse, deren Wurzel sowohl als die über dem Boden erscheinende, aber niedrig bleibende und strauchartig verästelte Achse vollkommen verholzen, und welche aus dieser Achse (Stock, caudex) alljährlich Triebe entwickeln, die, wenn sie Blüten tragen, am Ende derselben Vegetationsperiode zu Grunde gehen, gleich den Trieben der mit einem Wurzelstock (Rhizom) begabten Kräuter, wenn sie dagegen nicht zur Blütenentwickelung gelangen, zu vegetieren eritahren. Diese Form von Holzgewächsen, denen z. B. die rauhblätterige Salbei Salvia otficinalis L.) und der Lavendel (Lavendula Spica L.) gehören, ist charakteristisch für die Vegetation der mediterranen Länder. trauchäpfel, niedrige Apfelgehölze, welche im Boden Ausläufer oder auch Stockausschlag erzeugen und sich deshalb leicht vermehren lassen. Man gebraucht sie als Unterlagen für Formbäume. Es lassen sich drei Arten unterscheiden: Malus pumila Neill., der P aradiesapfel, mit glatten, dunkelbraunen, glänzenden Zweigen, fein gesägten, nach oben und unten verschmälerten Blättern und recht wohlschmeckenden Früchten; Malus frutescens Borsch., der Heckapfel, mit ebenfalls unbehaarten, aber weniger glänzenden, schmutzig-dunkelbraunen Zweigen, an der Basis abgerundeten, an den Rändern fein gesägten Blättern und sauerer, bann Frucht; Masus praecox Borth., der Joannesapfel, mit gleich der untern Fläche der an beiden Enden verschmälerten und grobgesägten Blätter dicht behaarten jungen Trieben und Früchten von süßlichem Geschmack. Eine Form dieser Art und als Unterlage für Formbäume sehr ge-He schätzt ist der Doucin, welcher keine Ausläufer, „sondern nur Stockausschlag erzeugt. Strausberg, Stadt in der preuß. Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Oberbarnim, in waldreicher Gegend, am Straus⸗ „see, Station (7 Km vom Orte) der Linie Berlin-Eydtkuhnen der Preußischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts, zählt (1880)6647C. und hat eine höhere Bürgerschule, ein Landarmen: haus, eine Erziehungsanstalt für elternlose und verwahrloste Kinder, Verfertigung grober Tuche, Teppichfahr Kammgarnstoffe u. s. w., Flanell⸗ und Teppichfabrikation, Gerberei und Fischerei.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 293Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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