Sully (Maximilian de Bethune, Baron von Rosny, Herzog von), berühmter Minister und Freund Heinrichs IV. von Frankreich, wurde 13. Dez. 1560 zu Rosny geboren und im prot. Glauben erzogen. Im Alter von 11 J. kam er an den Hof der Königin von Navarra, die ihn 1571 mit ihrem Sohne, dem spätern Heinrich IV., nach Paris schickte, wo er in der Bartholomäusnacht fast ein Opfer der Mörder geworden wäre. Als Heinrich von Navarra 1576 vom franz. Hofe in das Heerlager der Protestanten entwich, begleitete er denselben und wurde sein treuer Waffengefährte. Im J. 1580—83 diente er unter Anjou in den Niederlanden, kehrte dann aber zu Heinrich nach Südfrankreich zurück und vermählte sich mit Anna von Courtenay. In der Schlacht bei Coutras 1587 trug er viel zum Erfolge des Tags bei. Nach dem Siege bei Ivry, welcher 1590 das übergewicht Heinrichs entschied, mußte er mit Wunden bedeckt vom Schlachtfelde getragen werden. Kaum geheilt, eilte er wieder zum König; bei Chartres 1591 wurde er aufs neue schwer verwundet. Im J. 1592 nach dem Tode Annas zum zweiten mal vermählt, zog er sich, von Heinrich vernachlässigt, auf seine Güter zurück, erlangte aber durch die Enthüllung konspiratorischer Pläne wieder die volle Gunst des Monarchen. S. riet damals Heinrich IV., zur Beendigung des Bürgerkriegs und Befestigung seiner Krone zur kath. Kirche zurückzutreten. Heinrich stellte ihn 1597 an die Spitze der Finanzverwaltung; 1599 erhielt er den Titel eines Oberintendanten. Mit Festigkeit und rastloser Thätigkeit brachte der sittenstrenge und seinem Herrn unbedingt ergebene Minister eine durchgreifende Ordnung in das Chaos, vereinfachte die Erhebung, verminderte die Lasten, forderte strenge Rechenschaft, erfand dir haifter für das Rechnungswesen und prüfte die egister. Die Finanzüberschüsse häufte er in der Bastille auf, deren Gouverneur er 1602 wurde, und dieser Schatz belief sich bei Heinrichs IV. Tode auf 42 Mill. Livres. Als Heinrich IV. 1600 den Zug nach Savoyen unternahm, empfing S. den Titel eines Großmeisters der Artillerie. Auf diesem Zuge eroberte er die starken Festungen Montmelien und Bourg. Nach dem Frieden übernahm er die öffentlichen Bauten und griff bald in alle Zweige der Verwaltung ein. Auch in den auswartigen Verhandlungen hatte er die leitende Stellung. Stets von Feinden bedrängt, wußte er sich doch durch des Königs Gnade immer zu behaupten. Die Ermordung Heinrichs IV., 13. Mai 1610, hemmte plötzlich die großartigen Unternehmungen des Ministers, der 1606 zum Herzog von S. erhoben war, und veränderte seine Lage gänzlich. Um seine Sicherheit mit Recht besorgt, trat er sent Amter und Pfründen dem Hofe ab, lebte fortan, von fürstl. Glanze umgeben, zu Rosny und Villebon, beschäftigte sich mit Landbau und schrieb seine Erinnerungen nieder. Im J. 1634 verlieh ihm Ludwig XIII. die Marschallswürde. Sein Sohn, der Marquis von S., starb vor ihm und hinterließ ihm einen Enkel, der mit dem Großvater einen Prozeß anfing. S. verlor diesen Prozeß und starb acht Tage darauf, 22. Dez. 1641, zu Villebon. Seine zweite Gemahlin errichtete ihm zu Nogent-le-Rotrou ein prächtiges Denkmal. Die Tochter, Margarete de Bethune, war an den Herzog von Rohan vermählt. Von seinem Geschichtswerke ließ S. unter dem Titel Mémoires des sages et royales économies d'état, domestiques, politiques et militaires de Henri le Grando die zwei ersten Bände (Amsterd. 1634) erscheinen. Jean le Laboureur veröffentlichte erst 1662 zwei andere Bände. Vgl. Ritter, Die Memoiren S.s (Münch. 1871); Legouvé, «Sullys (Par. 1873); Gourdault, «S. et son tempso (3. Aufl., Tours 1877).