Synagoge (grch.) bedeutet als übersetzung des junghebr. Keneset hauptsächlich im Sprachgebrauche des Neuen Testaments und der Kirchenväter sowohl den Ort der Versammlung als die in der S. versammelte Gemeinde; daher die Gemeindevorsteher Archisynagogi n. Bald nahm S. die Bedeutung: Versammlungsort zum Gebete an; indes diente sie auch zuweilen zu andern religiösen Zusammenkünften, daher unter Moade El Ps. 79,8, wahrscheinlich S. zu verstehen sei. Daneben ist bei Josephus und zumal bei Philo die der Bestimmung mehr entsprechende Bezeichnung Proseuche üblich. S. entstanden zur Zeit des zweiten Tempels an Stelle der alten Opferstätten (Bamot) und wurden gern in der Nähe des Wassers angelegt. Aber auch außerhalb Palästinas waren sehr berühmte S., und es wird besonders die Größe und Pracht der in Alexandria befindlichen, in der Form einer Basilika gebauten S. gerühmt. Das Mittelalter zog es vor, mehrere kleine S. innerhalb einer Gemeinde für verschiedene Brüderschaften zu errichten, als große die ganze Gemeinde umfassende. Die meisten aus der Vorzeit enthaltenen S. sind daher verhältnismäßig klein und schmucklos, und selbst die früher hochgerühmte portugiesische S. in Amsterdam steht in verblichenem Glanze da. Hingegen hat die neuere Zeit Bauwerke hervorgebracht, die meist in byzant. Kuppelbau, durch Größe, Kunststil und Ornamentik allgemeine Aufmerksamkeit erregen. Schon beim Bestehen des Tempels hatte sich eine Art Gebet-Ritus gebildet; je mehr der ohnehin auf Jerusalem beschränkte Opferkultus aufhörte, Ausdruck des religiösen Gefühls zu sein, noch mehr mit der endlichen Zerstörung des Tempels wurde dem synagogalen Ritus eifrige Sorgfalt zugewendet. Mit dem Eintritt des poetischen Elements in den synagogalen Ritus (etwa seit dem 8. Jahrh.) entstand eine außerordentlich große synagogale Litteratur, die unter Festhaltung der hebr. Sprache und eines gemeinsamen Grundstocks in geographisch verschiedene Ritus sich verzweigte. Vgl. Zunz, „Synagogale Poesie des Mittelalterso (Berl. 1855; 2. Abteil.); derselbe, Litteraturgeschichte der synagogalen Poesien (Berl. 1865). — Unter den Männern der großen S. » (Ansche Keneset hagedola) versteht man einen Verein von Priestern und Schriftgelehrten, den die Sage in die Zeit Esras versetzt und dem mannigfache Reformen in Kultus und Gesetzgebung zugeschrieben werden.