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ErdkundeBrockhaus 1882

Taräbulüs oder Tarabolus-esch-Schäm, d. i. das syr. Tripolis, Hauptort eines Liwä im türk. Vilajet Suria, eine der schönsten Städte Syriens, 67 Km im Nordnordosten von Beirut, am Fuße des Libanongebirges und am Abu-Ali oder Kadischa (dem heiligen Flusse), 1,35 EKm südlich von dessen Mündung gelegen und durch eine dreieckige, sehr ergiebige Ebene vom Meere getrennt, gewährt mit seinen frischen Gärten einen freundlichen Anblick. Der Fluß gibt reichliche Bewässerung für die Kanäle der Ebene, welche mit Maulbeerpflanzungen, Weingärten und Orangenbäumen bedeckt, aber besonders im Herbst ungesund ist. Kaum 2 km westlich von der Mündung des Flusses, in gesunder Lage, befindet sich der Hafenort E l-Mina oder Minet-T., welcher, obgleich seicht und nicht ganz sicher, doch einer der besten an der ganzen syr. Küste ist. Vor demselben liegt eine Reihe von 15 Inselchen ohne Erde und Pflanzenwuchs. Zwischen ihr und der Kadischamündung stehen vier Türme aus dem Mittelalter. T. zählt, einschließlich des Hafenorts, 24085 C., darunter 4800 Christen griech. Bekenntnisses und einige Judenfamilien; der Hafenplatz allein 7000 E., größtenteils griech. Matrosen und Schiffszimmerleute. Die Stadt hat ein Kastell, 20 Moscheen, sieben Klöster mit Kirchen, drei maronitische, zwei griech.⸗kath., eine prot. Kirche und eine Synagoge. Die Straßen sind gepflastert und mit Bogengängen und Trottoirs versehen. Der Handel, meist in den Händen der Griechen und nicht unbedeutend, besteht hauptsächlich in Ausfuhr von Schwämmen, von — Seide, Ol, Seife, Mehl, Früchten, Wolle, Tabak, Wachs, Cochenille und Galläpfeln. Seide wird viel gewonnen, und die Seidenweberei ist stark im Gange; die Weine und Orangen von T. haben eine gewisse Berühmtheit erlangt. Viele Einwohner beschäftigen sich mit Fischerei. T. ist Station der franz. und der russ. Dampfer und Sitz eines deutschen Vizekonsuls. Die Stadt ist ursprünglich von Phöniziern aus Sidon, Tyrus und Aradus am Meere im Gebiete von Arka als Bundesort gegründet, der wegen seiner Entstehung Tripolis oder Dreistadt genannt wurde. Das seit 639 in den Händen der Mohammedaner befindliche Tripolis wurde seit 1104 durch Raimund von St.⸗Giles belagert und von dessen Sohne Bertram 10. Juni 1109 erobert und zum Hauptort der Grafschaft Tripolis erhoben, welche, zwischen dem Königreich Jerusalem im S. und dem Fürstentum Antiochia im N. gelegen, den Küstenstrich vom Hundsfluß unweit Beirut bis Valania jenseit Markab umfaßte. Die Stadt war wie bisher der griech., so auch Bischofssitz der lat. Kirche des Orients, blühte durch Niederlassung von Seiden- und Kamelotwebern auf, ward 1170 durch Erdbeben ganz zerstört, darauf wieder besser aufgebaut, aber 27. April 1289 durch Sultan Kilawun von Agypten erobert und dem Boden gleich gemacht. Noch sind indes sechs schöne Befestigungstürme aus der Zeit der Kreuzzüge vorhanden. Später wurde Tripolis mehr landeinwärts neu aufgebaut. Die Venetianer und Franzosen erfochten hier 1415 einen Sieg über die Sarazenen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 473Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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