FeedTarantel (ital. Tarantöla)
HeilkundeBrockhaus 1882

Tarantel (ital. Tarantöla), eine im südl. Europa nicht seltene, hellbraune, auf dem Rücken schwarzgestreifte Raubspinne (Lycosa Tarentula Apulica) von der Größe der Kreuzspinne, die in Erdhöhlen lebt, und deren Biß für giftig galt und zumal jene Zufälle hervorbringen sollte, die unter dem Namen des Tarantismus bekannt sind. Altere Reisebeschreibungen wiederholen ohne Unterschied diese Fabel und geben als Symptome an: Schmerz einer (angeblich) gebissenen Stelle, Mißstimmung, Angst, Schwindel, Zittern, Fieber, übelkeit, Erbrechen, Wutanfälle, bei einigen Kranken ausschweifende Lustigkeit, Haß gegen schwarze Farbe, Liebe zu Grün und Rot, mit einem Worte eine Menge von Zeichen hypochondrischen und hysterischen Leidens. Die Landleute sollen die Kranken dadurch geheilt haben, daß sie ihnen zwei in mehrern alten Werken verzeichnete Melodien (&La pastorales und La tarantolae) vorspielten und sie zum Tanzen veranlaßten, welches bis zur völligen Erschöpfung fortgesetzt werden mußte. Diesen Geschichten liegen verkannte Nervenkrankheiten zu Grunde. In neuerer Zeit gemachte Versuche haben bewiesen, daß der Biß der T. weder schmerzhafter, noch giftiger ist als der der Kreuzspinne. Ahnliches wird auch von einer andern Spinne, der auf Corsica und Sardinien heimischen Malmignatte, erzählt, gehört jedoch gleichfalls zu den Fabeln. Vgl. Bergsöe, alüber die italienische T. und den Tarantismuso (Kopenh. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 474Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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