Tauenzien oder Tauentzien von Wittenberg (Friedr. Boguslaus Emanuel, Graf von), preuß. General der Infanterie, ein Sohn des im Siebenjährigen Kriege 1760 berühmt gewordenen Verteidigers von Breslau, Boguslaus Friedrich von T. (geb. 18. April 1710, gest. 20. März 1791), wurde 15. Sept. 1760 zu Potsdam geboren und trat 1775 in die preuß. Armee, in der er 1795 zum Oberst und 1801 zum Generalmajor aufstieg. Er befehligte 1806 ein bis Hof vorgeschobenes Korps, wurde aber auf Schleiz zurückgedrängt und hier 9. Okt. vom Marschall Soult mit übermacht angegriffen und auf die Hauptarmee zurückgedrängt. Bei Jena befehligte er die Vorhut des Hohenloheschen Korps und teilte bei Prenzlau dessen Schicksal. Nach dem Tilsiter Frieden erhielt er, zum Generallieutenant befördert, das Kommando der brandenb. Brigade. Als Preußen sich 1813 gegen Frankreich erklärte, ward er zum Militärgouverneur von Pommern ernannt und leitete die Belagerung von Stettin. Nach dem Waffenstillstand besehligte er das meist aus Landwehr bestehende 4. Armeekorps unter dem Kronprinzen von Schweden, kämpfte 23. Aug. bei Blankenfelde gegen Bertrand und trug 6. Sept. zum Siege bei Dennewitz durch seine tapfere Gegenwehr gegen das 4. franz. Armeekorps und seinen entschlossenen Angriff bei. Als die Nordarmee über die Elbe ging, folgte ihr T. 5. Okt. bei Roßlau. Da aber die schlesische und die Nordarmee vereinigt 11. Okt. über die Saale gingen, um Napoleon auszuweichen, wurde sein Korps, um den übergang über die Elbe und zugleich Berlin zu decken, bei Dessau zurückgelassen. Zwei franz. Armeekorps zwangen ihn, mit dem Blockadekorps von Wittenberg sich bis gegen Potsdam zurückzuziehen, wo er während der Schlacht bei Leipzig stehen blieb. Nach dieser wurde ihm die Belagerung von Torgau und Wittenberg, sowie die Blokade von Magdeburg übertragen. Torgau ergab sich 26. Dez. 1813, Wittenberg ward in der Nacht zum 13. Jan. 1814 unter T.s Leitung durch den General von Dobschütz erstürmt, und 24. Mai fiel auch Magdeburg. Im J. 1815 erhielt T. das Kommando des 6. Armeekorps, welches anfangs als Reserve an der Elbe stand, nach der Schlacht bei Waterloo aber nach Frankreich zog und als Occupationskorps in der Bretagne blieb. T. war 1791 in den Grafenstand erhoben worden und erhielt den Beinamen «von Wittenbergo. Nach dem zweiten Pariser Frieden wurde ihm beträchtlicher Grundbesitz zugewiesen und das Generalkommando des 3. Armeekorps übertragen. Er starb als Gouverneur von Berlin 20. Febr. 1824.