Temple (le Temple) hieß ehedem ein großes Gebäude zu Paris, von dem noch eine benachbarte Straße, ein Boulevard und eine Vorstadt den Namen führen und das als Kerker Ludwigs XVI. (s. d.) und seiner Familie geschichtlich geworden ist. Das Gebäude war ursprünglich das Ordenshaus der Tempelritter und wurde 1222 von Hubert, einem Schatzmeister des Ordens, erbaut. Als sich König Philipp der Schöne 1312 der Ordensgüter in Frankreich bemächtigte, richtete er sich selbst den T. als Wohnhaus ein, überließ denselben jedoch nach der Vernichtung des Ordens den Johanniterrittern. Rach Aufhebung sämtlicher Orden in der Revolution verwandelte man das Haus, als Ersatz für die Bastille, in ein Staatsgefängnis. Im J. 1816 stiftete die Prinzessin von Bourbon-Condé im T. ein Nonnenkloster, wobei das Zimmer, in dem Ludwig XVI. gefangen saß, zum Betsaal verwendet wurde. Unter Napoleon III. wurde der T. abgetragen und an dessen Stelle ein schöner Square eingerichtet.