Terentius (Publius), mit dem von seinem Geburtslande genommenen Beinamen Afer, röm. Lustspieldichter, nächst Plautus der Hauptvertreter der sog. Fabula palliata, der Komödie, die ihre Stoffe aus dem griech. Leben nahm, beziehungsweise griech. Originale übertrug. T. wurde in Karthago um das J. 190 v. Chr. geboren. In frühester Jugend kam er nach Rom als Sklave eines Senators Terentius Lucanus, von dem er freigelassen wurde, womit der Sitte gemäß die Annahme des Namens des Freilassers verbunden war. Er kam früh in Verkehr mit dem Kreise des jüngern Scipio Africanus und Lälius, in dem die litterarischen Bestrebungen gepflegt und die Tendenz verfolgt wurde, die lat. Sprache zum Organ einer gebildeten Konversation und Litteratur zu machen, ihr Urbanität zu geben. Dieser Charakter der Urbanität, sowie die der griech. Regel strenger angepaßte Metrik ist auch das einzige originelle Element bei T. und war den Zeitgenossen bei ihm, dem Fremden, so auffallend, daß sie jene Eigenschaft der Mitarbeiterschaft seiner vornehmen Freunde zuschrieben. Dagegen verteidigte sich der Dichter selbst in dem Prolog der Adelphocy. In Stoff und Gedanken ist T. ganz abhängig von seinen griech. Originalen Menander und Apollodor, nur daß er das Verfahren der sog. Kontamination mehrfach auf dieselbe anwandte. Es bestand dies darin, daß der röm. Nachdichter Stücke aus andern Komödien in das Hauptdrama einfügte. Die röm. Lustspiele erhielten so mehr Handlung und mehr Verwickelung, aber zum Teil auch etwas Mosaikartiges. Auch sah T. sich genötigt, dieses Verfahren in Prologen zu seinen Komödien zu verteidigen. Der originelle und derbe Witz des Plautus ist bei ihm ersetzt durch glatte und elegante Ausdrucksweise. Seine Personen haben das Gepräge einer gewissen humanen Mittelmäßigkeit und ergehen sich gern in Sentenzen, sodaß ihnen auch diese Eigenschaften, statt eines nationalen, vielmehr ein kosmopolit. Gepräge geben. T. wurde daher nicht nur im Mittelalter viel gelesen und von der Nonne Roswitha (s. d.) nachgebildet, sondern steht auch der Neuzeit näher als Plautus. Die Zahl seiner Komödien beläuft sich nur auf folgende sechs: „Andrias (das Mädchen von Andros), Heautontimorumenoso (der sich selbst Quälende, Charakterisierung der Hauptperson), Eunuchuso, Phormio v (der Parasit des Stücks), Hecyra (die Schwiegermutter), Adelphoeo (die ungleichen Brüder). T. starb 159 oder 158, im Begriff, mit neu übersetzten Lustspielen aus Griechenland, wohin er das Jahr zuvor gereist war, zurückzukehren; die nähern Angaben darüber sind abweichend. Unter den Ausgaben ist die von Bentley (Cambr. 1726) epochemachend. Neuere Ausgaben veröffentlichten R. Klotz (2 Bde., Lpz. 1838—40), Fleckeisen (Lpz. 1857), Dziatzko (Lpz. 1885), mit engl. Anmerkungen Wagner (Cambr. 1869), mit kritischem Apparat Umpfenbach (Epz. 1870). Eine Ausgabe mit erklärenden Anmerkungen hat Spengel unternommen (1. Bdchn., Berl. 1875: 2. Bdchn. 1879), eine Auswahl gibt Dziatzko heraus (1. Bdchn., 2. Aufl., Lpz. 1885; 2. Bdchn. 1874). Neuere übersetzungen lieferten Jakob (Berl. 1825), Herbst (Stuttg. 1854 fg.) und Donner (2 Bde., Lpz. 1864). rentius).