Teschen (slaw. Cieszyn), die Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums in Osterreichisch-Schlesien, am rechten Ufer der Olsa und dem nördl. Fuße der Beskiden gelegen, an der Kaschau-Oderberger Bahn, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts und eines Bezirksgerichts und zählt (1880) 13 004 E. Die Stadt hat sechs Kirchen, darunter die Pfarrkirche (ehemalige Dominikanerklosterkirche), die Kirche der Barmherzigen und die infolge des Altranstädter Vertrags von 1706 eraute evang. Gnadenkirche. Von dem alten Bergschloß ist nur noch der viereckige Piastenturm (aus dem 12. Jahrh. ) übrig. Unterhalb des Schloßbergs wurde unter Erzherzog Albrecht ein großartiges Brauhaus aufgeführt. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen zu T. ein Gymnasium mit einem histor. und einem naturhistor. Museum, ferner eine e Staatsrealschule und eine Lehrerbildungsanstalt. e Die Industrie ist, von der erzherzoglichen abgesehen, d don keiner hervorragenden Bedeutung. Gegen-1 stände des Handels sind Spiritus, Schmalz, Eisend. waren, Möbel, Schweizerkäse, Bier, Rosoglio und Garn, Artikel, we che in T. und dessen Umgebung 9erzeugt werden. Von größern industriellen Etablissements bestehen eine erzherzogl. Flachsbereitu und Spinnfabrik, eine große Hofbuchdruckerei mit lithographischer Anstalt und Buchbinderei, eine ir Fabrik gebogener Möbel und ein bedeutendes Säge⸗ „werk. Auf der Olsa werden große Quantitäten 5Holz aus den Beskiden verflößt. Historisch denkwürdig ist die Stadt wegen des daselbit 13. Mai 1776 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. abgeschlossenen Friedens, welcher den sog. Bayrischen Erbfolgekrieg (s. d.) beendigte. „ Das ehemalige Herzogtum Teschen bildete bis 1849 den Hauptbestandteil des Kreises T., der „die jetzigen Bezirkshauptmannschaften T., Bielitz und Freistadt umfaßte. Die Landbevölkerung spricht t polnisch; deutsch wird insbesondere in den Städten, sowie in einer mehrere Dörfer umfassenden Sprachinsel um Bielitz gesprochen. T. gehörte ursprünglich den Herzögen von Oberschlesien, von denen Kasimir II. 1298 dem König von Böhmen sich unterwarf. Als 1625 der Mannsstamm der Herzöge von T. ausstarb, blieb das Fürstentum unmittelbar bei der Krone Böhmen, bis Kaiser Karl VI. dasselbe 1722 dem Herzog von Lothringen, Leopold Joseph Karl, übergab, dem sein Sohn Franz Stephan, nachmaliger röm. Kaiser, 1729 darin folgte. Nach ihm besaß dasselbe seit 1766 unter dem Titel eines Herzogs von Sachsen-Teschen der mit; der Tochter des Kaisers Franz. I. vermählte sächs. Prinz Albrecht (s. d.), welcher bei seinem Tode 1822 dieses Fürstentum an den Erzherzog Karl vererbte, von dem es (1847) an dessen ältesten Sohn Albrecht überging. Vgl. Peter, «Das Herzogtum Schlesieno (Wien 1885); derselbe, „T., ein histor.⸗topogr. Bild» (Teschen 1875).