FeedTestaccio (Monte Testaccio)
ErdkundeBrockhaus 1882

Testaccio (Monte Testaccio), ein in der südwestlichsten Ecke Roms in nächster Nähe des Tiberflusses und der Stadtmauern gelegener, 35 m hoher, umfangreicher Hügel, welcher ganz aus Scherben antiker Thongefäße (Amphoren) besteht. Alle Topographen seit dem 15. Jahrh. haben sich um den rätselhaften Hügel bemüht, und die Versuche zu seiner Erklärung führten zu den verschiedensten Ansichten; doch erst in neuester Zeit ist es gelungen, die Geschichte und die Bestimmung desselben zu klären. Es steht demnach fest, daß der T., dessen Name zum erstenmal auf einer Inschrift des 8. Jahrh. erscheint und zweifelsohne von testa, Thongefäß oder Scherbe, abgeleitet ist, vielleicht schon seit Anfang der Kaiserzeit, sicher in der Mitte des 2. Jahrh. n. Chr. bestand und sein Material den großen, meist aus Spanien und Afrika kommenden Transportgefäßen angehört, welche an den kommerziellen Landungsstellen des Tiber, dem alten Emporium, ausgeladen wurden. Die teils beim Ausladen selbst, teils in den Magazinen des Emporiums durch Feuersbrünste, Übers chwemmungen u. dgl. in Menge zerbrechenden Thongefäße wurden in nächster Nähe aufgehäuft und bildeten so allmählich den T. Die jetzt auf diesen Scherben aufgefundenen Pinselinschriften haben außer der sichern Datierung auch noch auf die röm. Handelsorganisation, das Verwaltungssystem und den Fiskus bezügliche Notizen geliefert. Vgl. Dressel in den Annali Gell' Instituto archeologicos (1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 578Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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