FeedTezel (Joh.) oder Tetzel
ReligionBrockhaus 1882

Tezel (Joh.) oder Tetzel, eigentlich Diez oder iezel, der berüchtigte Ablaßkrämer, geb. um 1455 zu Leipzig, studierte daselbst Theologie und trat 1484 in den Dominikanerorden. Im J. 1502 zum Ablaßprediger bestellt, trieb er fünf Jahre lang diesen Handel in der frechsten Weise. In Innsbruck wegen ehebrecherischen Umgangs mit einer Frau zum Tode durch Ertränken verurteilt, auf Fürsprache Kurfürst Friedrichs von Sachsen zu ewigem Gefängnis nach Leipzig abgeführt, auf Verwendung. des Erzbischofs Albrecht von Mainz freigelassen, erhielt er von Papst Leo X. Ablaß und wurde zum apostolischen Kommissarius, von Albrecht von Mainz zum Inquisitor haereticae pravitatis ernannt. Jetzt trieb er den Handel noch schlimmer als zuvor. Unter der Devise: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springto, verkaufte er überall Ablaßbriefe für Mord, Ehebruch, Meineid u. s. w. Dies erregte den Unwillen Luthers und veranlaßte diesen, 31. Okt. 1517 seine berühmten 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg anzuschlagen. In Frankfurt a. O. 1518 zum Doktor der Theologie promoviert, kehrte T. nach Leipzig in das Paulinerkloster zurück, wo er im Aug. 1519 an der Pest starb. Vgl. Hofmann, (Lebensbeschreibung T.S„ (herausg. von Poppe, Lpz. 1844); Kayser, «Geschichtsquellen über T.o (Annab. 1877); Körner, Tezelv (Lpz. 1880); von katholischer Seite in apologetischer Tendenz Gröne, «T. und Luther⸗ (Soest 1853); Hermann, Tezelv (Frankf. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 592Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6