FeedThargelien
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Thargelien hieß ein altgriechisches Fest. welches dem Apollon Thargelios, als dem Beschützer der Feldfrüchte, die er mit den Sonnenstrahlen zur Reife bringen oder auch vor allzu großer Sonnenglut bewahren sollte, in Athen und Milet und wahrscheinlich vielen andern ionischen Städten gefeiert wurde. In Athen genoß man an diesem Fest, das am 7. Tage des danach benannten Monats Thargelion (Mai bis Juni) begangen ward, die ersten Brote aus den Erstlingen der Feldfrucht, und Knaben hingen eine Eiresione, einen mit Früchten behängten, mit Wollfäden umwundenen Zweig, vor die Hausthüren. Allen Festbräuchen der T. ging aber am 6. ein schauerlicher Brauch voraus. An ihm wurden zur Sühne Apollos ein Mann und eine Frau geopfert, also ein Menschenopfer dargebracht, wenn auch dessen Greulichkeit dadurch gemildert erscheint, daß man dazu Verbrecher wählte. Seit Ende des 5. Jahrh. v. Chr. war die wirkliche Opferung durch einen stellvertretenden Akt ersetzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 598Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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