Thasos, eine Insel von 393 qkm Flächenraum, im nördlichsten Teil des Agäischen Meeres, nur 7 km entfernt von der Küste Thraziens, etwas westlich von der Mündung des Flusses Nestos (des jetzigen Karasu) gelegen. Abgesehen von einigen für den Ackerbau geeigneten Strandebenen, wird sie ganz von noch jetzt reich bewaldeten Gebirgen eingenommen, aus denen im Altertum Gold und Marmor gewonnen wurde, auch war der Wein der Insel berühmt. Zur Ausheutung der Goldbergwerke auf der Insel selbst wie auf der benachbarten thraz. Küste hatten sich seit dem 13. Jahrh. v. Chr. Phönizier darauf angesiedelt. Gegen Ende des 8. Jahrh. v. Chr. wurde von der Insel Paros aus eine ionische Kolonie dorthin gesandt. Die Kolonisten hatten anfangs harte Kämpfe mit den Bewohnern der thraz. Küste zu bestehen, behaupteten sich aber nicht nur im Besitze, sondern gewannen auch nicht unbeträchtliches Gebiet auf dem thraz. Festlande, sodaß die Insel bald reich und mächtig wurde. Nach dem Perserkriege Mitglied des Delischen Bundes, fiel T. 464 von Athen ab, wurde aber 462 durch Kimon wieder unterworfen. In der Römerzeit gehörte T., zunächst noch bis tief in die Kaiserzeit hinein als freie Stadt zu dem Bereich der macedon. Provinz. Die der Insel gleichnamige Hauptstadt, von der noch bedeutende Ruinen erhalten sind, lag an der Nordküste, an der Stelle des jetzigen Landungsplates Limenas. Gegenwärtig gehört die durchaus von griech. Christen Iuier 10000 Seelen in zehn Dörfern) bewohnte nsel zur Türkei und zwar als ein Stück des Mutesarifliks Kavala zu dem Vilaset Selanik. Die Bevölkerung führt Schiffbauholz, Ol, Honig und Wachs aus; der Getreide⸗ und Weinbau ist unbedeutend. Vgl. Hasselbach, De insula Tbason (Marb. 1838); Conze, Reise auf den Inseln des Thrazischen Meereso (Hannov. 1860).