Theologen und Kirchenhistoriker, geb. 11. April 1804 zu Breslau, studierte daselbst zuerst Theologie, dann Philosophie und Jurisprudenz. Anfangs huldigte er der freiern Richtung seines Bruders, wie die von ihm im Verein mit diesem herausgegebenen Werke «Die kath. Kirche Schlesienso (Altenb. 1826) und «Die Einführung der erzwungenen Ehelosigkeit bei den christl. Geistlichen und ihre Folgeno (Bd. 1 u. 2., Altenb. 1828; neue Aufl. 1845) deutlich zeigen. Dann aber ging er nach einer wissenschaftlichen Reise nach Wien, London und Paris im März 1833 nach Rom, schloß sich hier, enttäuscht über das Scheitern der innerkath. Reformbewegung, hervorragenden Jesuiten an und wurde im Jesuitenseminar zu St. Euseb vollends in seiner positiv-kirchlichen Richtung bestärkt. Später trat er in die Kongregation des Oratoriums ein, wurde 1855 Präfekt der vatikanischen Archive und entfaltete als solcher eine staunenswerte litterarische Thätigkeit, in der er sich ebenso sehr durch seine großartige Gelehrsamkeit wie durch seine leidenschaftliche Polemik gegen den Protestantismus auszeichnete. Außer zahlreichen kirchenrechtlichen und kirchenhistor. Arbeiten machte er sich namentlich die Fortsetzung der Annales ecclesiasticiv des Baronius und die Herausgabe einer Anzahl von Urkundenwerken zur Kirchengeschichte der verschiedenen christl. Nationen zur Aufgabe seines Lebens. Hierher gehören die Documents inédits relatifs aux affaires religieuses de la France 17⁵0 — 18009 (2 Bde., Par. 1858), Vetera monumenta Hungariam sacram illustrantiad (2 Bde., Rom 1859), „Monuments historiques relatifs“ aux regnes d'Alexis Michaélowitsch, Theodor III et Pierre le Grand de Russies (Rom 1859), Vetera monumenta Poloniae gentiumque finitimarum historiam illustrantia (4 Bde., Rom 1860—64), «Codex diplomaticus dominii temporalis Sanctae Sediso „3 Bde., Rom 1862), Vetera monumenta Slavorum meridionalium historiam illustrantiao (Rom r1863), & Vetera monumenta Hibernorum et Scotorum historiam illustrantias (Rom 1864), Monumenta spectantia ad unionem ecclesiae Graecae et Romanaes (Wien 1872). Während des Vatikanischen Konzils mit den Bischoöfen der Opposition befreundet, geriet T. in den Verdacht, denselben urkundliches Material zu verschaffen und so seine amtliche Stellung zu mißbrauchen, weshalb ihm Aug. 1870 die Schlüssel zum Archiv entzogen wurden. Nach längerm Leiden starb er 10. Aug. 1874 am Schlagfluß, ward jedoch erst 14. Okt. auf dem Deutschen Friedhof zu Rom beerdigt. Kurz nach seinem Tode erschienen, durch Vermittelung des Bischofs Stroßmeyer in den Druck gegeben, die Acta genuina oecumenici concilii Tridentini etes (2 Bde., Lpz. 1874), ein unschätzbarer Beitrag zur Geschichte des Tridentinischen Konzils. Theiner (Joh. Ant.), kath. Theolog, der Bruder des vorigen, wurde 15. Dez. 1799 zu Breslau geboren, bildete sich daselbst auf der ½• und Universität und wurde 1824 außerord. rofessor der Exegese und des Kirchenrechts zu Breslau, in welcher Stellung er durch Wort und Schrift die Gallikanischen und Josephinischen Grundfätze vertrat und an den reformatorischen Bewegungen der kath. Kirche, besonders in Schlesien 1826, lebhaften Anteil nahm. Da ihm infolge dessen die preuß. Regierung seine Vorlesungen über Kirchenrecht untersagte, so gab er seine Professur auf und wurde 1830 Pfarrer zu Polsnitz bei Canth, 1836 zu Grüssau, 1837 zu Hundsfeld bei Breslau. Als solcher wirkte er still bis 1845. Da erklärte er sich öffentlich, unter Niederlegung seines Amtes, zu Gunsten der deutsch-kath. Bewegung und arbeitete zunächst für die berliner Gemeinde eine Liturgie aus. Zerwürfnisse mit den Führern der neuen Partei über die Grenzen der Reform bewogen ihn jedoch bald, sich wieder zurückzuziehen. Von dem Fürstbischof exkommuniziert, lebte er seitdem als Privatgelehrter zu Breslau, bis er 1855 von der preuß. Regierung als Secretär der Universitätsbibliothek angestellt wurde. Er starb 15. Mai 1860. Außer dem Schriftchen Die reformatorischen Bestrebungen in der kath. Kircher (3 Hefte, Altenb. 1845 fg.) sind von seinen Arbeiten zu nennen: Descriptio codicis manuscripti, qui versionem Pentateuchi Arabieci 4 continety (Bresl. 1822); ferner „Die zwölf kleinen Propheten (Lpz. 1830), &Die heilige Schrift des Alten Testaments »(Lpz. 1830), Das Seligkeitsdogma der röm.⸗kath. Kircher (Bresl. 1847). Theinwald, s. unter Feldsberg. Theismus, s. Deismus. Theiß, ungar. Tisza, slaw. Tisa, bei den Alten als Grenzfluß Daciens Tissus, Tisia oder Pathissus (nicht Tibiscus, worunter die Temes zu verstehen), der größte Nebenfluß der Donau und pülnh derselben der größte und eigentliche Hauptfluß Ungarns, entspringt im ungar. Komitat Marmaros, an der Grenze Galiziens, auf den Waldkarpaten und zwar als Schwarze Theiß im Norden des Dorfes Körös-Mezö, aus zahlreichen Gebirgsbächen, unter denen jener der längste ist, der auf der Ostseite des Berges Okola in einer Höhe vo 1203 meentspringt, und als Weiße Theiß, die in der Gegend von Bogdäny ebenfalls aus der Vereinigung zahlreicher Gebirgswässer entsteht. Nach der Vereinigung beider Quellflüsse fließt die T. anfangs südlich durch enge Gebirgspässe und verstärkt sich unterhalb Tribusa durch den Vissö-Bach, wendet sich westwärts im breitern Längsthale, dann nach Aufnahme des von Südosten kommenden Isa west- und nordwestwärts über Szigeth nach Huszt, tritt hier, bereits durch eine Menge kleiner Bergwasser sehr verstärkt, aus der Marmaros und bei Ragh. Chene aus ihrem Gebirgsthale heraus in die Ebene, in welcher sie auf ihrem weitern, mit einem großen nördl. Bogen nach Westen gerichteten Laufe nur noch einmal den Fuß des Gebirges, den südl. Rand der Tokaier Berggruppe, berührt. Sie fließt dann nach Südwesten bis Szolnok, von hier aber ununterbrochen nach Süden, der Donau parallel und von ihr durchschnittlich 90 Em entfernt, über Csongrad und Szegedin an der Grenze der Komitate Bäcs-Bodrog und Torontal, und mündet unterhalb Titel, dem Dorfe Szlankament und dem östl. Fuße des syrmischen Bergzugs gegenüber. Sobald die T. das Gebirge verlassen hat, fließt sie in Tausenden von Schlangenwindungen dahin. Dadurch wird ihre Stromentwickelung außerordentlich verlängert, die mit den größten Krümmungen mindestens 940, mit den kleinern bei 1350 km beträgt, während der direkte Abstand der Quelle von der Mündung nur 470 km mißt. Innerhalb des Gebirges hat die T. herrliches, reines und schnellfließendes, in der Ebene schlammiges, schleichendes Wasser. Dieser träge Lauf zwischen großenteils flachen Ufern hat die furchtbarsten Versumpfungen ilche Uferlandschaften zur Folge. Ihre r iche Breite beträgt 150—250 m. Ihre Schiffbarkeit beginnt bei Vasaros-Nameny, für Dampfboote bei Tokai, doch geht ein regelmäßiger Verkehr der Dampfschiffe nur bis Szegedin, höchstens bis Szolnok. Der Wasserstand der T. ist sehr wechselnd; die Differenzen zwischen dem Tief⸗ und Höchststand betragen 7— 10 m. Der Baeser⸗ oder Franzenskanal, welcher 1795—1801 erbaut, bei Földvär aus der T. unweit Bezdän in die Donau führt, kürzt die Stromfahrt von 360 auf 110 Kxm. In den J. 1871—75 wurde der Franzenskanal noch erweitert durch den 70 Kmlangen Stapar-Neusatzer und durch den Baja-Brzdaner Kanal. Auch wird die T. durch den 195 EKm langen Begakanal mit der Temes in Verbindung gesetzt. In neuester Zeit hat die umfassend angelegte Regulierung der T. delt“ one Moräste in fruchtbares Land verwandelt, ohne jedoch den verheerenden periodischen Überschwemmungen dauernde Schranken ziehen zu können, wie dies die Katastrophen von 1876, 1879 u. a. beweisen. Der Fischreichtum der T. ist noch immer bedeutend. Vorzüglich ergiebig ist der Fang von Hausen, Tiken oder Tichen und Karpfen. Auch bedeckt den Fluß und seine sumpfigen Ufergenden zahlloses Wassergeflügel; in den Morästen fängt man Schildkröten. Eine merkwürdige Eigentümlichkeit ist auch die Theißblüte (Ufergas, Ephe. mera vulgata), ein Insekt, welches im Sommer oft in großer Menge den Fluß bedeckt. Die T. ist der Sammler aller Gewässer, die von den gesamten Nordost⸗ und Ostkarpaten ostwärts einer von der Donaupforte bei Waizen nach der Tatra gezogenen Ainie herabfließen. So umfaßt ihr Gebiet die Osthälfte Ungarns und, mit Ausnahme des südöstlichsten Abschnitts, ganz Siebenbürgen; es hat ein Areal von 152950 akm. Der bedeutendste rechte Zufluß ist der Hernad; links münden aus Siebendürgen: Szamos, Körös, Maros und Bega. Theißblüte, Teatt s. unter Theiß. Thekholz, s. Teakholz. Thekla, die Heilige, Jungfrau und Martyrinv, ist die Heldin eines unter dem Namen «Akten des Paulus und der T.» verbreiteten, zu Ende des 2. Jahrh. gedichteten christl. Romans. Aus Ikonium gebürtig, wurde sie angeblich vom Apostel Paulus zum Christentum bekehrt, folgte demselben und hatte, weil sie sich dem ehelosen Leben widmete, von seiten ihrer Familie und ihres Bräutigams heftige Verfolgungen auszustehen. Von letzterm als Christin denunziert, ward sie nackend im Cirkus den wilden Tieren vorgeworfen, von denselben aber, sowie von den Flammen, denen man sie ein anderes mal preisgab, verschont. Nach dem Tode des Paulus lebte sie in einer Berghöhle bei Seleucia, in welcher sie, hochbetagt, von einigen Wüstlingen verfolgt, für immer verschwindet. Die Kathedrale von Mailand trägt ihren Namen und hat lange Zeit von ihr Reliquien besessen. Ihr kirchliches Gedächtnis ist der 23. Sept. Die «Akten des Paulus und der T.» sind, wenn auch nicht ganz vollständig, noch erhalten und von Tischendorf (Acta apostolorum apocryphas, Lpz. 1851) herausgegeben worden. Eine poetische Nachbildung der Legende von der heiligen T. lieferte Paul Vgl. Schlau, Die Akten des Paulus und der T.» (Lpz. 1877); Lipsius, «Die apokryphen Apostelgeschichten (2. Bd., Braunschw. 1884 86). Thelemarken, s. Telemarken. Thema (vom griech. 9, setzen, stellen) ist ein aufgestellter Satz, der Hauptgedanke, der in einer Rede oder Abhandlung ausgeführt werden soll. In der Musik heißt T. das Hauptmotiv, das einem ganzen Tonstück oder einer Abteilung desselben zum Grunde liegt. In der Fuge (s. d.) heißt das T. Subjekt oder Führer (lat. dux). Themar, Stadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen, Kreis Hildburghausen, an der Werra, Station der Linie Eisenach-Lichtenfels der Werrabahn, ist von alten Ringmauern mit Türmen umgeben, Sitz eines Amtsgerichts, zählt (1885) 1694 evang. C. und hat Ackerbau, Viehzucht, Fabrikation von Thonwaren, Packpapieren, Papiermache, Gurten und Holzhandel. Nordwestlich von T. liegt in schöner Waldgegend die Ruine Osterburg, östlich der Iltenberg mit dem eingefallenen Berg und prächtiger Aussicht, nördlich der Feldstein, ein Basaltkegel. Themis, die Tochter des Uranos und der Gäa, Gemahlin des Zeus, dem sie die Horen und die Moiren gebar, ist die Göttin der gesetzlichen Ordnung, Schützerin des bestehenden Rechts und die personifizierte Gerechtigkeit. Sie wohnt mit in dem Olymp und beruft hier auf Befehl von Zeus die Götter zur Versammlung. Außerdem erscheint sie als Weissagegöttin und soll als solche nach der Gäg, aber vor Apollon Besitzerin des delphischen Orakels gewesen sein. Verehrt wurde sie an mehrern Orten. Als Gerechtigkeitsgöttin stellen sie Neuere mit verbundenen Augen und mit Schwert und Wage vor. Vgl. Ahrens, Die Göttin T.v (Hann. 1862, 1864). Themis, der 24. Asteroid, s. u. Planeten. Themistius, mit dem Beinamen CEuphrades, ein griech. Rhetor des 4. Jahrh. n. Chr., von pahlagonischer Abkunft, aber, wie es scheint, in Kon-Rantinopel geboren, trat nicht nur in der Redekunst, sondern auch in der Philosophie, in der er vorzugsweise an Aristoteles sich anschloß, doch nicht ohne in eklektischer Weise auch andere Philof ophen, besonders Platon, zu berücksichtigen, als Lehrer auf Er wurde wegen seines Talents und seiner Gewandtheit als Beamter von den Kaisern Constan: tius, Julianus und Theodosius mehrfach ausgezeichnet. Außer Paraphrasen, erklärenden Umschreibungen oder Auszügen von einigen Schriften es Aristoteles, die am besten Spengel (Lpz. 1866) herausgegeben hat, besitzt man unter seinem Namen noch 33 Reden (eine, die zwölfte, nur in lat. Übersetzung), die mit der von Mai entdeckten und bekannt gemachten (Mail. 1816) am besten von W. Dindorf (Lpz. 1832) herausgegeben wurden.