Thesprotia oder Thesprotis hieß im Altertum die südlichere Hälfte der nordgriech. Landschaft Epirus (I. d.), die im N. durch den Fluß Thyamis (etzt Kalama) von Chaonien, im O. durch den Arachthos (jetzt Arta) vom Gebiet der Molosser getrennt, im S. bis an den Ambrakischen Meerbusen (ietzt Golf von Arta) reichte. Der nördl. Teil dieses Gebietes, die jetzigen Bezirke von Paramythia und Suli, sind ein wildes und rauhes, zum Teil fast unwegsames Gebirgsland, das von den Flüssen Acheron und Kocytos durchflossen wird, deren Namen auf die mythischen Flüsse der Unterwelt übertragen worden sind. Beide treten dann in eine großenteils von einem Sumpfe (dem Acherusischen See der Alten) eingenommene Ebene ein, in welcher eine alte Stadt Ephyra, später Kichyros genannt, lag. Der ebenere und fruchtbarere, für Ackerbau und Viehzucht trefflich geeignete südlichere Teil des Landes wurde von dem Stamme der Kassopäer bewohnt, deren Städte (Elatria, Pandosia, Bitia, Bucheta und Kassope) seit den Zeiten Philipps II. von Macedonien unter der Herrschaft der molossischen Könige standen. Dasselbe Schicksal erfuhr einige Zeit später die hellenische Stadt Ambrakia (das setzige Arta), eine korinth. Kolonie nördlich von dem nach ihr benannten Meerbusen, welche durch den König Pyrrhus zu dessen Residenz gemacht wurde. Im übrigen wurden die Thesproter, die schon in der Odyssee als ein seefahrendes, von Königen beherrschtes Volk erscheinen, in der histor. Zeit von den Griechen ebenso wie die übrigen Bewohner von Epirus als Barbaren, d. h. Nichtgriechen, betrachtet. Vgl. Tozer, «Researches in the highlands of Turkeys (Lond. 1869).