Threnos oder Threnodie hieß bei den Griechen ein Trauer-oder Klaglied, worin der Schmerz über den Tod geliebter Wesen auf eine innige und erschütternde Weise ausgedrückt wurde, daher es sich von der Elegie (s. d.), die mehr einen sanften und gemäßigten, und überhaupt durchaus nicht bloß einen klagenden Charakter hat, wesentlich unterscheidet. Dergleichen Klagelieder wurden bei der Ausstellung der Leichen und deren Leichenbegängnis gesungen und kommen bereits in den homerischen Gedichten bei den Hellenen und Troern vor. Später bildete sich der T. zu einer eigenen Gattung der Poesie aus, und mehrere Dichter, besonders Pindar und Simonides, erlangten hohen Ruhm darin. Bei den Römern hießen die Klaglieder neniae. (S. Nänie.)
Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 660Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei