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ErdkundeBrockhaus 1882

Thun, Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks (268 qkm, 30229 E.) des schweiz. Kantons Bern, liegt 560 m über dem Meere, 25 km südsüdöstlich von Bern, beim Ausfluß der Aare aus dem Thunersee an der Bahnlinie Bern-Scherzligen, und zahlt (1880) 5124 meist reform. E. Die engen, winkeligen Straßen der Altstadt, die Arkaden und Terrassen der altertümlichen Häuser, der steile Burghügel mit der alten hochragenden Burg und der got. Kirche, deren Friedhof eine prächtige Aussicht auf den See und die Alpen gewährt, die klare, grüne Aar, welche, von fünf Brücken überjocht, in zwei Arme geteilt die Stadt durchfließt, verleihen T. ein romantisches Gepräge. Von den Neubauten sind zu erwähnen der palastartige Thunerhof und die große Kaserne für die eidgenossischen Militärschulen, denen die Ebene der Thunerallmend als Übungsfeld, namentlich für Artillerie, dient. Am Eingang in das berner Oberland gelegen, hat T. einen lebhaften Touristenverkehr. Die schönsten Punkte der reizenden Umgebung sind die Schlösser Schadau, Chartreuse und Hünegg, der aussichtsreiche Jakobshügel und der Waldpark des Grüsisbergs mit der Kohlerenschlucht. Wahrscheinlich kelt. Ursprungs, von den Römern befestigt, stand die Stadt im 12. Jahrh. unter den Herzögen von Zähringen, kam 1218 an die Grafen von Kyburg und 1382 an Bern. Der Thunersee, einst Wendelsee genannt, wird wie der Brienzersee (s. d.) von der Aare gebildet, welche bei der Ruine Weißenau, 4 km südwestlich von Interlaken, eintritt und bei Scherzligen, 1½ kmoberhalb T., austritt. Von Südosten nach Nordwesten gerichtet, ist der See 18 km lang, durchschnittlich 3 Em breit, bis 216 metief, 48 qkm groß und liegt 560 m über dem Meere. Sein Hauptzufluß ist die Kander. Im obern Teile ernst, von den steil aufragenden Ketten des Morgenberghorns (225m), des Beatenbergs und des Sigriswylgrales eingeschlossen, hinter denen die Hochalpen des berner Oberlandes aufsteigen, hat der See im untern Teile freundliche, hügelige, mit Dörfern, Landhäusern und Schlössern übersäete Ufer. Von den Uferorten sind zu erwähnen Schloß und Dorf Oberhofen (klimatischer Kurort) auf dem rechten, Spiez, der Landungsplatz für das Kander⸗ und Simmenthal auf dem linken Ufer. Der Verkehr wird durch fünf Dampfboote und ein Trajektschiff vermittelt. Die Dampferlinie schließt bei Scherzligen am untern Ende an die Eisenbahn Bern-T.⸗Scherzligen, bei Därligen am obern Ende an die Bödelibahn (Thunersee-Interlaken-Brienzersee) an. Beiden Ufern entlang führen Fahrstraßen von T. nach Interlaken, von denen die des rechten Ufers durch ihre landschaftliche Schönheit und die Kühnheit ihrer Anlage an die Axenstraße erinnert. Vgl. von Muralt, «Führer durch T.» (Thun 1865); Roth, «T. und seine Umgebungen» (Bern 1873); «T. und Thunerseen (Zür. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 663Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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