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ErdkundeBrockhaus 1882

Interlaken, Dorf im gleichnamigen Bezirk im Oberlande des schweiz. Kantons Bern, liegt 568 m ber dem Meere in der 8 Brien Thalniederung zwischen dem Thuner-⸗ und rienzersee, dem sog. Bödeli, links von der Aare. Das eigentliche J. umfaßt nur den Komplex von Gebäuden, der die Stelle des alten Doppelklosters J. einnimmt, das Schloß, das Krankenhaus u. s. w. Mit dem am linken Aarufer vom Brienzersee bis zur Aarbrücke bei Unterseen sich hinziehenden Dorfe Aarmühle bildet es eine Gemeinde von (1880) 2121 meist reform. E. Im weitern Sinne wird mit dem Namen J. das ganze Ufergelände der Aare im Bödeli bezeichnet, mit Einschluß des Dorfes Matten und des altertümlichen Städtchens Unterseen (1995 E.), welches gegenüber Aarmühle auf dem rechten Ufer am Fuß des Harder (1530 m) liegt. Die Lieblichkeit und Fruchtbarkeit des Bödeli, die Nähe der Seen und des Hochgebirges, das milde Klima Jahresmittel 8,8 C.) und die Peuuchtesten vereinigen sich, um J. zu einem der besuchtesten klimatischen Kurorte der schweiz. Alpen, zu einer weltberühmten Sommerfrische und Ausgangsstation für Ausflüge in den Alpen zu machen. Die eigentliche Saison dauert nur drei Monate. Zahlreiche, trefflich eingerichtete Pensionen und Gasthöfe dienen zur Unterkunft für die Fremden, deren Zahl allsommerlich 20—30000 beträgt. Der Höheweg, eine stattliche Doppelallee von Nußbäumen, bildet eine ganze Straße von Hotels und mit dem Kursaale den Mittelpunkt des Touristenverkehrs. Die besuchtesten Punkte der Umgebung sind die Parkanlagen des Kleinen Rugen (739 m), die Heimwehfluh mit prachtvoller Aussicht auf die Seen und die Alpen (Jungfrau) und die Ruine Unspunnen. Neben dem bedeutenden Fremdenverkehr, der die Haupterwerbsquelle des Ortes bildet, sind auch die Parketterie-und die Liqueurfabrikation (Alpenkräutermagenbitter) von Belang. Von Därligen am Thunersee führt eine 8,9 Kmlange Eisenbahn, die sog. Bödelibahn, nach I. und weiter nach Bönigen am Brienzersee; beide Seen werden von Dampfbooten befahren. Außerdem führen Puach Thun von J. auf beiden Ufern des Thunersees nach Thun und auf dem rechten des Brienzersees nach Brienz. Nach NW. zieht eine Straße zu dem hochgelegenen Kurort St. Beatenberg (1148 m), nach SO. eine andere nach Grindelwald mit Abzweigung nach Das Dorf J. entstand erst in neuerer Zeit um das Augustinerdoppelkloster J. (lat. inter Iacus = Unterseen), welches 1130 gegründet und 1528 aufgehoben wurde. Im östl. Flügel des Mönchsklosters befindet sich seit 1836 das Amtskrankenhaus; an der Stelle des Nonnenklosters Iihir die Gefängnisse; der Chor der Klosterkirche dient als anglikan. und röm.⸗kath. Kapelle. Die übrigen Gebäude samt dem 1750 erbauten Schlosse bilden den Amtssitz des Amtsbezirks J., welcher (ohne die Seeflächen) 679 qkm mit 24 954 E. umfaßt und sich über die Thäler des Lütschinen, das Gebiet des Brienzersees, das Bödeli und das Habkerenthal erstreckt. Vgl. Ober, UInterlaken et ses environso (Bern 1861); Meyer-Ahrens, «J. im Berner Ober— land » (Bern 1869); Gelpke, «J. in histor., klimatischer u. s. w. Beziehung » (Berl. 1870); Gerber, „Europ. Wanderbilder Nr. 75 (Zür. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 635Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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