FeedTiara ist eine auszeichnende Kopfbedeckung
GeschichteBrockhaus 1882

Tiara ist eine auszeichnende Kopfbedeckung, die in Form eines abgestumpften hohen Kegels bereits auf altassyrischen Denkmälern als Insignie des Königs vorkommt. Auch die pers. Achämeniden trugen sie und zwar mit einem darum gewundenen Bund (Kidaris). Als Zeichen der Machtstellung findet sie sich ferner bei den Magiern der Neuperser. Hauptsächlich aber ist sie bekannt als Krone des Papstes. Als solche erscheint sie als ein ziemlich hoher zuckerhutähnlicher Spitzhut (pileus acuminatus), in den frühesten Abbildungen aus weißem Stoff gleichsam flechtwerkartig gebildet, einzig mit goldenem Stirnreifen geziert. Aus der Kopfbedeckung des Hohenpriesters des levitischen Altertums entstanden, hat sich diese Form durch das ganze Mittelalter hindurch bis jetzt bei den Bischöfen der griech. Kirche erhalten. Für den Papst wird sie auf Nikolaus JI. (858—867) zurückgeführt, dürfte aber älter sein. Alexander II. schmückte gegen 1065 die päpstliche T. mit einem zweiten Kronringe (regnum); der eine von den zweien trug, wie berichtet wird, die Inschrift: Corona regnide manu Dei, der andere: Diadema impeérii de manu Petri. Diese Veränderung wird aber auch erst dem Papst Bonifacius VIII. um 1300 zugeschrieben, und endlich soll Urban V. (1362—70) das triregnum (die dreifache Krone) mit dem dritten Reife vollendet haben. Durch diese drei Reifen wird angeblich die Macht des Papstes in der leidenden, der streitenden und der triumphierenden Kirche, oder im Himmel, auf Erden und in der Hölle angedeutet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 673Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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