Tiergeographie nennt man die Wissenschaft von der räumlichen Verbreitung der Tiere, sowohl der horizontalen als der vertikalen Richtung nach, also einerseits vom Aquator zu den Polen, andererseits von den größten Tiefen der Meere bis zu den ½½9 Spitzen der Gebirge. Jede Art hat einen ald größern, bald kleinern spezifischen Verbreitungsbezirk, und wie für die Arten, so findet man auch für die größern Gruppen solche Verbreitungsbezirke. Stellt man diese zusammen, so ergeben sich sog. zoologische Regionen, innerhalb welcher Lehmmte Gruppen zusammenleben und die sich häufig durch besonders hervorragende Typen charakterisieren lassen. Häufig sind diese Regionen dadurch bestimmt, daß Hindernisse, wie Klima, Gebirgsketten, Meeresarme u. s. w., der weitern Verbreitung und Wanderung der Arten hindernd entgegentreten. Oft aber bieten sich auch solche Grenzen dar, die sich aus den heute vorhandenen äußern Verhältnissen nicht begründen lassen. So ist man denn neuerdings darauf gekommen, zur Erklärung der geogr. Verbreitung der Tiere einerseits deren wahrscheinliche Abstammung von fossilen Arten, andererseits die frühere Verteilung von Wasser und Land, wie sie die Geologie uns kennen lehrt, zu Hilfe zu nehmen. So wäre es z. B. unbegreiflich, wie Großbritannien und Irland fast genau dieselben Tierarten hätten, wie das diesseit des Kanals gelegene Festland, wenn man nicht wüßte, daß diese beiden Teile früher zusammenhingen und daß die jetzt vorhandenen Arten von Voreltern stammen, deren Reste wir in dem Boden finden. So liefert die T., von dem richtigen Standpunkt aus betrachtet, eine Menge von Thatsachen, welche die Geordenn t über frühere Zustände der Erdoberfläche fördern und berichtigen. Während die T. früher eine fast planlose Sammlung von Thatsachen war, hat sie durch diese neuere Behandlungsweise den Wert einer höchst bedeutenden wissenschaftlichen Doktrin erhalten. Der Schöpfer dieser fruchtbaren Betrachtungsweise der Wissenschaft ist Alf. Russel Wallace geworden. Vgl. dessen Werk «The geographical distribution of animalso (2 Bde., Lond. 1876; deutsch von A. B. Meyer, 2 Bde., Dresd. 1876).