Tierdienst, Zoolatrie (grch.). Die Tiere, häufig ausgezeichnet durch Stärke, Schnelligkeit, Schlauheit, Sinnesschärfe, in manchen Dingen sogar die Vorbilder der Menschen, wurden oft in nahe Beziehung auch zu den Göttern, den personifizierten Kräften der Natur gebracht, ja selbst zu Gegenständen göttlicher Verehrung erhoben. Hierin liegt der Ursprung des heidnischen T., welcher sich sogar bei Kulturvölkern des Altertums, Indern und Agyptern, findet, während bei den Römern und Griechen gewisse Tiere nur bestimmten Göttern zugeteilt oder ihnen geheiligt waren. Trotz ihres Sonnenkultus verehrten die Peruaner auch Kuchi⸗ Hund, Lama, Condor, Puma und Schlange. Ahnlich auch in Mexiko. Auch auf den Südseeinseln wurden Tiere verehrt, aber bei allen diesen Völkern, wie es scheint, nicht für Götter, sondern für Repräsentanten solcher oder als den Göttern geweihte angesehen. Die Samojeden verehren den Eisbären, das mächtigste Tier bei ihnen, die Ostiaken den schwarzen Bär, bei dem sie schwören, nichtsdestoweniger aber ihn töten und essen. Bei den Jakuten hat jeder Stamm ein heiliges Tier. Auch bei den alten Germanen und Slawen kommt der T. vor, den J. Grimm auf zwei Hauptursachen zurückführt: entweder standen gewisse Tiere in Beug zu einzelnen Göttern, gewissermaßen in deren Dienst, und so gehört der Eber zu Fro, der Wolf und Rabe zu Wuotan; oder es liegen Verwandlungen göttlicher Wesen in Tiergestalt zum Grunde, derentwegen nun die ganze Gattung in höherer Ehre bleibt. Besonders die Pferde standen in großer Verehrung bei den Germanen. Wie noch jetzt der T. in heidnischen Religionen, besonders bei Völkern auf niedriger Kulturstufe, vielfach in Ubung ist, so sind auch unter civilisierten Nationen christl. Bekenntnisses die Reminiscenzen an den T. noch nicht ganz abgestorben. Beweis dafür ist der Aberglaube an übernatürliche Kräfte gewisser Tiere, z. B. an den prophetischen Ruf des Kukuks und des 1.— Vgl. Bastian, Das Tier in seiner mytholog. Bedeutunge (in der «Zeitschrift für Ethnologie v, Berl. 1869); de Gubernatis, «Die Tiere in der indogerman. Mythologiev (Lpz. 1874).