FeedTimbuktu
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Timbuktu (auch Tunbutu und Tombuktu geschrieben, d. h. die Bauchhöhle), altberühmte Handelsstadt im nordwestl. Teile von Flach-Sudan, unweit des Südrandes der Sahara, dem Namen nach zum Staate Massina der Fellata gehörig, in der That aber unter der Herrschaft der Tuareg, liegt unter 17² 40 nördl. Br. und 2 30 westl. L. von Greenwich, etwa 300 müber dem Meere und 18 km nördlich vom Niger in einer öden Sandebene, die nur mit wenigen Palmen und Mimosengestrüpp bestanden ist. Die Stadt, deren Umfang etwas über eine Stunde beträgt, bildet ein Dreieck, dessen Grundseite dem Niger zugekehrt ist. Ihr Anblick ist ein düsterer, wozu namentlich das Baumaterial der fensterlosen, mit platten Dächern versehenen Wohnungen beiträgt. Wie diese sind auch die drei großen Moscheen, die einzigen öffentlichen Gebäude T.s, aus dunkelgrauem Thon aufgeführt. Um die Thonhäuser zieht sich ein Kranz von halbkugelförmigen Mattenhütten, die längs der verfallenen Stadtmauer von Erde liegen. Die Straßen sind eng, meist gerade, ungepflastert, aber mit festem Kiesgrunde und Rinnsteinen versehen. Offentliche Plätze gibt es nur drei. Barth schätzte 1853 die Zahl der seßhaften Einwohner auf 13000, fast ausschließlich Mohammedaner, zu denen zur Zeit des lebhaften Handelsverkehrs noch 510000 Fremde kommen. Schon die Lage der Stadt, in welcher verschiedene Nationalitäten zusammentreffen, bedingt eine sehr gemischte, aus zum Teil einander abstoßenden Elementen zusammengesetzte Einwohnerschaft. Außer Lederarbeiten und einigen Eisenfabrikaten liefert die Industrie nichts. Auch der Handel ist keineswegs so bedeutend, wie man früher glaubte. Reis und Sorghum, sowie Pflanzenbutter sind die Hauptartikel des Marktes, dann Baumwollstoffe, Gold aus den Senegalländern und die den Kaffee ersetzenden Gurunüsse. Aus Marokko führen die Karawanen ein: Messer, Spiegel, Tabak, Thee, Zucker. Wichtige Handelsartikel sind Gold, Salz, Gurunüsse, Gummi, Wachs und Elfenbein. Als Hafenplatz am Niger gilt das südlich von T. gelegene, etwa 2000 Songhay-Einwohner zählende Städtchen Kabara. T. ist erst von wenigen Europäern besucht worden. Nachdem Mungo Parks Versuch gescheitert, erreichte es 1825 der engl. Major Laing, der jedoch bald wieder aus der Stadt vertrieben und auf dem Rückwege ermordet wurde. Ihm folgte 1829 der Franzose René Caillé, dessen angezweifelte Berichte erst durch Heinrich Barth (s. d.), der 1853 und 1854 sieben Monate in T. zubrachte, zur Geltung gelangten. Dann erreichte die Stadt 1859 Aliun Sal, ein mohammedanischer franz. Offizier, vom Senegal aus und zuletzt 1880 Ostar Lenz (s. d.). T. war von je ein Zankapfel streitender Parteien und hat eine blutige, äußerst verwickelte Geschichte. Um 1077 von den Tuareg an der Stelle eines Lagerplatzes gegründet, blieb es anfangs ein unbedeutender Ort, der nach 1300 von den Fürsten von Melle erobert wurde, dann wieder in die Gewalt der heidnischen Mosche fiel und 1591 in den Besitz der Schützen (Ruma) des Sultans von Marokko überging. Allerdings litt seine Handelsbedeutung hierdurch, doch wurde es als Sitz mohammed. Gelehrsamkeit berühmt. Den empfindlichsten Stoß erhielt es durch die 1826 erfolgte Eroberung der fanatischen Fellata. Die Spannung unter den verschiedenen Nationalitäten und religiösen Sektenwesen führten 1844 zu einem Kampfe zwischen Tuareg und Fellata, in dem letztere geschlagen und aus der Stadt vertrieben wurden. Da diese jedoch die Zufuhren beherrschten, mußten 1846 die Tuareg einen Vergleich abschließen, infolge dessen die Fellata die Oberherrschaft erhielten. Die Regierung wurde jedoch von beiden Parteien gemeinschaftlich geführt. Nachdem die Fellata unter Hadsch-Omar 1859 die Stadt vorübergehend ganz in Besitz genommen, kam sie wieder unter die Herrschaft der Tuareg vom Stamme der Auellemiden unter dem edeln Scheikh Ahmed el-Bakkay, dem Freunde Barths, der im März 1863 die Fellata gänzlich besiegte und ein den Europäern freundliches Regiment führte. Schon vorher war 1860 mit den Franzosen am Senegal ein Freundschafts-und Handelsvertrag abgeschlossen und dem franz. Einfluß durch mohammed. Sendboten der Weg geöffnet worden. El-Bakkay, zugleich religibses und polit. Oberhaupt von T., starb 1865. Ihm folgte Sidi-Mohammed, der die Unabhängigkeit T.s gegen die von neuem anstürmenden Fellata 1866 lebhaft verteidigte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 700Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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