Timur, d. h. Eisen, auch Timur-Beg oder Timur-Leng, d. i. der lahme T., weil er hinkte, gewöhnlich Tamerlan genannt, ein berühmter asiat. Eroberer, wurde 9. April 1336 zu Sebz in der Provinz Ketsch geboren. Er selbst leitete seine Abkunft von Dschingis-Chan (s. d.) her; nach andern war er der Sohn eines mongol., nicht mit Dschingis verwandten Häuptlings. Als die mongol. Dynastie von Dschagatai verfiel, bemächtigte sich T. 1370 der obersten Gewalt, machte Samarkand (s. d.) zum Hauptsitz seines Reichs, eroberte nach und nach Persien, das ganze Mittelasien von der Chinesischen Mauer bis nach Moskau und 1398 Hindostan von dem Indus bis zur Mündung des Ganges: Blut und Verwüstung bezeichneten seine Siege; zugleich aber gewann er großen Ruf. Seine Eroberungen in Georgien und Armenien brachten ihn in Konflikt mit Bajazet J. (s. d.), Sultan der osman. Türken, der ihn auch durch die Aufnahme mehrerer von T. vertriebener Fürsten gereizt hatte. T. überzog, nachdem er Bagdad unterworfen, Aleppo ausgeplündert und den größten Teil von Damascus niedergebrannt, Syrien den Mamluken entrissen, Bajazets Staaten in Kleinasien mit einem mächtigen Heere. Die Schlacht in der Ebene von Ancyra, dem heutigen Angora in Natolien, 20. Juli 1402, war entscheidend. Bajazets Heer wurde gänzlich geschlagen, der Sultan aber auf der Flucht gefangen. T. starb, nachdem ihn auch der Sultan von Agypten als seinen Oberherrn anerkannt hatte, inmitten der Vorbereitungen zu einem Zuge gegen China 1405. Nach seinem Tode wurde sein Reich durch innere Unruhen erschüttert und zerfiel in mehrere Teile. Einer seiner Nachkommen, Babur (s. d.), eroberte 1498—1519 Hindostan und wurde der Stifter des Reichs des Großmoguls. Obwohl wild und grausam im höchsten Grade, war T. doch ein außerordentlicher Mann. Er zeichnete sich nicht bloß durch seine kriegerischen Eigenschaften und seine Klugheit aus, sondern schätzte auch die Wissenschaften und hatte selbst gelehrte Kenntnisse, wie dies die von ihm begründeten Einrichtungen beweisen. Vgl. Langles, Instituts politiques et militaires de Tamerlan (Par. 1787); Ibn-Arabschah, Mis⸗- toire du grand Tamerlan, traduite de Larabe (Par. 1658); Sherif Eddin, «Histoire de Timur-Beiv, übersetzt von Petis de la Croix (3 Bde. Par. 1722); Hammer-Purgstall, «Geschichte des Osmanischen Reichso (2. Aufl., Bd. 1, Pest 1833); Weil, 4Geschichte der Kalifen» (Bd. 5, Stuttg. 1862); O. Wolff, «Geschichte der Mongolen oder Tatareno (Breslau 1872); Howorth, History of the Mongolso (2 Bde., Lond. 1876—80).