FeedSelim I.
GeschichteBrockhaus 1882

Selim I., mit dem Beinamen Jauz, eder Brave und Grausame », einer der gewaltigsten türk. Sultane, geb. 1467, regierte vom April 1512 bis Sept. 1520. Fanatischer als seine Vorgänger, trug S. sich mit dem Gedanken, gewaltsam die religiöse Einheit in seinem Reiche herzustellen; auch wurden gegen 40000 in der Türkei lebende Schüten auf sein Geheiß ausgerottet. Dadurch mit der schiitischen Großmacht im Islam, d. h. Persien, in Krieg verwickelt, offenbarte er große militärische Tüchtigkeit und nötigte den Schah nach einem 1514 bei Tschadyran erfochtenen glänzenden Siege, den Frieden mittels Abtretung eines Teils von Aserbeidschan und anderer polit. Zugeständnisse zu erkaufen. Nachdem er dann auch einen Teil von Kurdistan und Mesopotamien unterworfen, wandte er sich gegen den Mamlukenstaat von Agypten, zu welchem damals ganz Syrien gehörte. Bei Aleppo kam es 24. Aug. 1516 zu einer großen Schlacht, in welcher die Mamluken unterlagen und ihr Sultan, Kanssu Gawri, das Leben verlor. Durch diesen Sieg gewann S. Syrien und Palästina, von wo aus er im folgenden Jahre in Agypten einfiel und, nachdem er bei Ridhania den Widerstand der Mamluken gebrochen, auch dieses Land seiner Herrschaft einverleibte. Als Beschützer der heil. Städte Mekka und Medina, welche freiwillig seine Oberherrschaft anerkannten, fügte er sodann den Titeln seines Hauses denjenigen eines Kalifen (Nachfolgers des Propheten) bei. Nach Konstantinopel zurückgekehrt, bereitete er einen abermaligen Krieg gegen Persien vor, starb aber 22. Sept. 1520 auf dem Wege von Konstantinopel nach Adrianopel nach nur achtjähriger Regierung. Obwohl er durch einen Aufstand der Janitscharen gegen seinen Vater Bajazid II. auf den Thron gehoben war, so stellte er doch die gelockerte Disciplin dieser Truppe mit Strenge wieder her. Die Macht des Reichs förderte er auch durch Begründung einer Seemacht, indem er an der Nordseite des Goldenen Horns von Konstantinopel ein großartiges Arsenal (Tersaneh) anlegte. Ihm folgte sein einziger Sohn, Soliman II.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 683Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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