Tinsa (lat.), die Motte. Tinéa favösa, soviel wie Favus (s. d.). Tineidae, s. Zünsler. Tinevelli oder Palamcotta, ein Distrikt der Präsidentschaft Madras des Britisch-Indischen Reichs, 13405 qkm groß mit (1871) 1 693 959 E., welcher die östl. Hälfte der Südspitze von Vorderindien einnimmt. Der gleichnamige Hauptort des Distrikts zählt 21044 E. Tingel-Tangel, Vulgärbezeichnung für Café chantant, soll dadurch entstanden sein, daß schwed. Chansonettensängerinnen den „Ting-Tange (Sing-Sang) ihrer Heimat nach Berlin eingeführt hätten. Nach andern wäre das Wort aus dem Onomatopoiumenon (Tonnachahmungswort) Tingtang⸗ (für Beckenklang) entstanden. Tinghai, Hauptstadt der Insel Tschusan (s. d.). Tinkal, s. Borarx. Tinktur nennt man in der pharmaceutischen Chemie einen weingeistigen, weinigen, ätherischen oder wässerigen Auszug organischer Substanzen, sowie auch zuweilen Auflösungen unorganischer Körper, z. B. des Eisenchlorids, des Atzkalis in Ather oder Alkohol. In der Zeit der Alchimie verstand man unter T. vorzugsweise diejenigen Substanzen, welche unedle Metalle in edle Metalle verwandeln sollten. Tinkturen nennt man auch die Bezeichnung mit Farben bei den in der Heraldik vorkommenden Gegenständen, z. B. der Wappenbilder, Helmstücke u. s. w. Sie sind entweder natürliche, d. i. solche, wo die Färbung mit dem Vorbilde in der Natur gleich ist, oder künstliche (heraldische), die nur der Heraldik eigen sind. Tinne (Alexandrine, gewöhnlich Alexine genannt), berühmte Afrikareisende, geb. 17. Okt. 1839 im Haag als einziges Kind des Kaufmanns Philipp F. Tinne, zeigte von Jugend an große Reiselust. Als sie nach dem 1844 erfolgten Tode ihres Vaters in den Besitz eines großen Vermögens gelangt war, besuchte sie mit ihrer Mutter fast alle Länder Europas, reiste 1856 mit ihrer Mutter und ihrer Tante, Adriana van Capellen, über Konstantinopel nach Palästina, Syrien und Agypten und brachte den Winter 1856757 in Kairo zu. Nachdem sie 1861 mit ihrer Mutter und Tante gänzlich nach Kairo übergesiedelt war, trat sie mit diesen im Jan. 1862 eine größere Reise nach dem Weißen Nil an. Sie fuhren mitzahlreicher Dienerschaft den Nil aufwärts, verließen denselben bei Korosko, um ihn, nach einem gefährlichen Zuge durch die Nubische Wüste, bei Abu-Hammed wieder zu erreichen. Von da am Nil hinziehend, gelangten sie nach Chartum, fuhren von hier im Mai 1862 auf dem Dampfer eines Bruders des Chedive den Weißen Nil aufwärts und, nachdem sie den untern Teil des Sobatflusses besucht, durch den morastigen No-See nach der österr. (seitem aufgehobenen) Missionsstation Heiligenkreuz, unternahmen von hier Ausflüge weit in das Innere und langten 30. Sept. in Gondokoro an. Krankheit nötigte zur Rücktehr nach Chartum, wo sie 20. Nov. 1862 wieder anlangten. Schon 2. Febr. 1863 begann Alexine mit ihrer Mutter und ungeheuerm Troß eine zweite große Reise von Chartum nach dem Bahr-el-Ghasal, dem südwestl. Hauptzufluß des Weißen Nil. An dieser Reise nahmen im Interesse der Wissenschaft Th. von Heuglin und Steudner auf T.s Einladung teil. Die Expedition fuhr auf dem Bahr-el-Ghasal bis zum See Rek und drang von da bis zum Dembofluß im Lande der Dor vor. Am 10.April erlag Steudner und 20. Juli Alexines Mutter dem Klima. Am 29. März 1864 kehrte die Erpedition nach Chartum zurück, wo auch Adriana van Capellen starb. Publiziert sind über diese Reisen: John A. Tinne, „Geographical notes of expeditions in Central-Africa, by threée dutch ladieso in Transactions of the Historic Society of Lancashire and Cheshirey (16 Bde., Liverp. 1864), im Auszug in den Annales des voyageso (1865); ferner: Th. von Heuglin, Die Tinnesche Expedition im westl. Nilquellgebiet 1863 und 1864 (Ergänzungsheft Nr. 15 zu Petermanns Mitteilungenv, Gotha 1865); derselbe, cReise in das Gebiet des Weißen Nil und seiner westl. Zuflüsse in den J. 1862 — 64 (Lpz. u. Heidelb. 1869); Th. Kotschy und J. Peyritsch, Plantae Tinneanae sive descriptio plantarum in expeditione Tinneana ad flumen Bahr-el-Ghasal eiusque affluentias collectarumo (Wien 1867). Die wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten Tinneschen Unternehmung bestanden in einer großen ornithologischen Ausbeute Heuglins, einer Kenntnis der Gebräuche der Denka, Djur und Dor und einer Aufhellung der verwickelten Hydrographie im Westen und Südwesten des Weißen Nil. Im J. 1864 begab sich Alexine T. Üüber Suakin nach Agypten, blieb einige Zeit in Kairo, unternahm 1865 eine Reise nach Candia, Griechenland und Italien, ging 1866 über Toulon nach Algier, bereiste 1868 die franz. Sahara und trat im Jan. 1869 mit starkem Gefolge eine Reise nach Innerafrika an, um über Bornu nach dem Nil vorzudringen. Nachdem sie in Mursuk eine schwere Krankheit überstanden hatte, wollte sie sich auf Einladung des Tuareg-⸗ häuptlings Ikhenukhen nach Rhat begeben, um dort die reichen Geschenke abzuwarten, welche sie für den Sultan von Bornu bestimmt hatte, wurde aber 1. Aug. bei Scharaba im Wadi Aberdschusch, westlich von Mursuk, von den sie begleitenden Tuaregs ermordet. Vgl. Petermanns Mitteilungeno (Bd.16, Gotha 1870); Richard Andree, Alexandrine Tan (in Unsere Zeitv, Jahrg. 1870, 1. Hälfte).