FeedTischbein
ReligionBrockhaus 1882

Tischbein, berühmte deutsche Künstlerfamilie: Johann Heinrich T., der Altere, geb. zu Haina in Hessen 3. Okt. 1722, wo sein Vater Klosterbäcker war, sollte das Schlosserhandwerk lernen, ward aber, da er großes Talent zu den bildenden Künsten verriet, von seinem ältern Bruder, Johann Valentin T. (gest. als Hofmaler in Hildburghausen 1767), zu einem Tapetenmaler in Kassel in die Lehre gegeben. Hier benutzte er zugleich den Unterricht des Hofmalers von Freese. Nachdem er 1743 Paris, 1748 Venedig und sodann Rom besucht, wurde er 1752 Kabinettsmaler des Landgrafen von Hessen-Kassel und lebte fortan rastlos thätig in Kassel, wo er als dirigierender Professor der Kunstakademie 22. Aug. 1789 starb. Als Künstler zeichnete er sich in der antikisierenden Historie aus, weniger im Bildnis. Als Geschichts⸗ und mytholog. Maler haben ihm vier Bilder aus den Begebenheiten des Rinaldo und der Armida, der zurnende Achill, die Elektra und die sterbende Alceste, sowie verschiedene andere großen Ruhm gebracht Auch sind viele Bildnisse von seiner Hand entstanden. Seine Kompositionen beweisen schöpferische Einbildungskraft; seine Zeichnung ist richtig und bedeutungsvoll. Auf das glücklichste erscheint in T.s Kompositionen noch eine gewisse aus der Barocke stammende Frische, dem um jene Zeit beginnenden Klassizismus die Wage haltend. Nach T.s Tode kaufte der Kurfürst von Hessen die hinterlassenen Arbeiten und ließ sie in Wilhelmshöhe aufstellen. Vgl. Engelschall, «Johann Heinrich T., als Mensch und Künstler dargestellto (Nürnb. 1797). Johann Heinrich Wilhelm T., gewöhnlich Heinrich Wilhelm T. der Neapolitaner genannt, der Sohn Johann Konrad T.s (eines Bruders des vorigen, gest. 1778 als Kunsttischler zu Haina), wurde 15. Febr. 1751 zu Haina geboren. Im Zeichnen und Malen unterrichtete ihn sein Vater, sein älterer Bruder, Johann Heinrich T. der Jüngere, und sein Oheim Johann Jakob T., bis er 1767 nach Hamburg kam. Er besuchte 1770 die Niederlande, kehrte 1772 nach Kassel zurück und ging endlich 1779 durch die Schweiz nach Rom. Schon in dieser Zeit äußerte er vorherrschend Hang zur Geschichtsmalerei. In Zürich entwarf er sein nachher so berühmt gewordenes Bild, welches Konradin von Schwaben darstellt, wie er nach angehörtem Todesurteile mit Friedrich von Österreich noch auf dem Schachbrett spielt. Nach einem sechsjährigen Aufenthalte in Rom ging T. 1787 nach Neapel, wo er 1790 als Direktor der Malerakademie angestellt wurde. Infolge der Revolution schiffte er sich 1799 mit einem Teile seiner Kunstschätze nach Livorno ein und ging sodann wieder nach Kassel. Dann lebte er ein Jahr in Göttingen und Hannover und später fast immer in Hamburg und Eutin. Hier arbeitete er unter anderm einen Ajax, der die Kassandra von der Statue der Pallas wegreißt (1805), und für die St. Ansgariikirche zu Bremen das Altarblatt: Lasset die Kindlein zu mir kommen (1806). Er starb zu Eutin 26. Juli 1829. Seine Idyllen begeisterten den ihm überhaupt sehr geneigten Goethe zu reizvollen Glossen. Unter den von ihm herausgegebenen und zum Teil mit Atzarbeiten ausgestatteten artistischen Werken sind zu erwähnen: Teètes de différents animaux, dessinées d'apres nature, pour donner une idéëe plus exacte de leurs caractèreso (2 Bde., Neap. 1796), «Sir Will. Ha⸗- milton's collection of engravings from antique vases, the greater part of Grecian fabric, found in ancient tombs in Two Sicilies in the years 1789 and 17905 (4 Bde., Neap. 1791 -1809) und sein berühmtestes Werk: »Homer, nach Antiken gezeichnet von T.v, mit Erläuterungen von Heyne (Heft 1—6, Gött. 1801—4) und Schorn (Heft 7— —11, Stuttg. 1821—23). Sein älterer Bruder, Johann Heinrich T., der Jüngere, geb. zu Haina 1742, gest. als Inspektor der Galerie zu Kassel 1808, schrieb eine Abhandlung über die Atzkunsto (Kassel 1808), ein dritter Bruder, Heinrich Jakob T., lebte als Maler in Hamburg und Frankfurt a. M. und starb 1803. JohannFriedrich August T., der Sohn Johann Valentin T.s, zu Mastricht 1750 geboren, war als Bildnismaler tüchtig und wurde 1800 Direktor der Akademie in Leipzig. Nach seines ältern Bruders, Ludwig Philipp T., Tode, der als kaiserl. Hofarchitekt und Theaterdekorationsmaler 1808 in Petersburg starb, lebte er dort ein Jahr, um dessen Verlassenschaft anzutreten. Er starb 1812 in Heidelberg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 713Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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