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Recht & StaatBrockhaus 1882

Metrik (grch.) ist die Wissenschaft der allgemeinen Gesetze des Rhythmus (s. d.) als Grundlage aller Versmessung, verbunden mit der Darstellung der verschiedenen, von den Dichtern gebrauchten Versmaße, sofern dieselben durch jene allgemeinen Gesetze bedingt sind. Die M. erhielt bei den Griechen, die sich schon frühzeitig in Gesang und Tanz an eine feste Wahrnehmung der rhythmischen Ordnung gewöhnten, und deren Dichter zugleich Tonkünstler und Gesetzgeber der Musik waren, durch vielseitigen Reichtum der Versarten die vollendetste Ausbildung, während die Römer sich einen beschränktern und mehr praktischen Kreis derselben schufen, sich auch hierin meist sklavisch an ihre Vorgänger, die Griechen, haltend. Als Wissenschaft wurde die M. von den alten griech. Musikern und Grammatikern und namentlich von Aristoxenos, Hephästion u. a., freilich von den Spätern sehr mangelhaft behandelt, ebenso von den lat. Grammatikern, wie von Priscian und Terentianus Maurus, indem man immer ausschließlicher nur das praktische Bedürfnis berücksichtigte und mit einer oberflächlichen Silbenzählung oder mit bloßen Schematismen sich begnügte. Diese mechan. Regeln der Spätern blieben nun maßgebend für das ganze Mittelalter und teilweise selbst auch für die neuere Zeit, bis Richard Bentley (s.d.) das Wesen der M. in dem rhythmischen Elemente faßte und so eine neue Bahn zeigte. Eine systematische Behandlung wurde dem Gegenstande durch Gottfried Hermann (s. d.) zuteil, der nach den Kantschen Prinzipien aus dem Begriffe des Rhythmus die neue Wissenschaft entwickelte. Fast gleichzeitig stellte J. H. Voß, besonders in der (Zeitmessung der deutschen Spracher (Königsb. 1802; 2. Aufl. 1831), neue Ansichten auf, die Apel (Metriko, 2 Bde., Lpz. 1814—16), unter steter Polemik gegen Hermann weiter ausführte. Eine neue Bahn betrat Böckh (s. d.), indem er von der Erforschung der Lehren der ältern Rhythmiker ausging, mit der Schrift:ber die Versmaße des Pindaro (Berl. 1819). Seine Grundsätze wurden am besten von Roßbach und Westphal (M. r der Griechen im Verein mit den übrigen musis chen d Künstenv, 2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1867—68) ausgeführt. Ein Lehrbuch der M. der Griechen und Römerv r hat Christ herausgegeben (Lpz. 1874; 2.Aufl. 1879). Die M. der modernen Völker unterscheidet sich von derjenigen der Alten meistens und haupts ächlich dadurch, daß die einzelnen Silben nicht wie dort ihre unabhängige, auf der eigenen Beschaffenheit beruhende H *. haben (quantitierendes Prinzip), sondern ihr metrischer Wert und deshalb auch ihre Zusammenfügung zu Versen durch ihre Beto-H nung im einzelnen Worte und im Satze bestimmt wird (accentuierendes Prinzip). Die deutsche Sprache besaß in der alt⸗ und mittelhochdeutschen Periode eine streng geregelte, auf dem Prinzip der Hebung beruhende Verskunst, deren Gesetze namentlich durch Lachmann (Küber althochdeutsche Betonung und Verskunsto, Berl. 1831—32) wieder festgestellt worden sind. Im 14. und 15. Jahrh. war dieselbe bloßer Silbenzählung gewichen. Erst Martin Opitz legte durch das „Buch der Teutschen Poetereyvy (1624) den Grund zu einer neudeutschen M. und bewies die Bildungsfähigkeit der deutschen Sprache für die mannigfaltigsten Rhr thmen. Nachdem Klopstock die deutsche M. durch Anwendung der antiken praktisch erweitert hatte, unternahm J. H. Voß in der erwähnten Schrift die wissenschaftliche Behandlung der deutschen M. Von seinen zahlreichen Nachfolgern ist Minckwitz (Lehrbuch der deutschen Verskunst oder Prosodie und M. , 6. Aufl., Lpz. 1878) der bekannteste. Alle diese theoretischen Versuche aber leiden an dem Mangel, daß sie die deutsche M. zu unbedingt der griechischen nachbilden. Dagegen hat die Praxis der deutschen Dichter seit Goethe eine ebenso reiche als eigentümliche Anwendung einer sprachgemäßen M. ausgebildet. Vgl. Zarncke, aliber den fünffüßigen Jambus, mit besonderer Rücksicht auf seine Behandlung durch Lessing, Schiller und Goether (Opz. 1866), und Westphal, «(Theorie der neuhochdeutschen M.y (2. Aufl., Jena 1877). Von den metrischen Systemen der orient. Kulturvölker wurden neuerdings besonders die der Araber (durch Ewald, Freytag und Ahlwardt) und der alten Inder (durch Weber) in Deutschland erörtert und wissenschaftlich behandelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 673Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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