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ErdkundeBrockhaus 1882

Tortona, Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks in der ital. Provinz Alessandria, rechts an der Serivia, auf einem der Ausläufer des Ligurischen Apennins, Station der Eisenbahnen Genua-Mailand und Parma-Alessandria-Turin, ist der Sitz eines Bischofs, hat acht Kirchen, ein bischöfl. Seminar und (1881) 9065 (Gemeinde 14317) C., die sich mit Fertigung von Seidenwaren, Hüten und Leder beschäftigen. Merkwürdig sind, außer der 1584 von Philipp II. erbauten Kathedrale, die einen antiken Sarkophag des Publius Alius Sabinus mit griech. und lat. Inschrift und sehr schönen Reliefs enthält, die reiche Kapelle der Garofoli in San-Francesco und die Trümmer der Burg, welche Kaiser Friedrich I. Barbarossa bewohnte. T., im Altertum Dertona in Liguria, 148 v. Chr. als röm. Kolonie angelegt, welche später die Via Julia Augusta berührte, hieß mittellat. Tertona und Terdona. Auf einer Zusammenkunft zwischen Kaiser Karl II. und Papst Johann VIII. im Aug. 877 albte der letztere Karls Gemahlin Richildis als Raiserin. Kaiser Friedrich I. eroberte Ostern 1155 die Stadt nach 62tägiger Belagerung und zerstörte ie gänzlich; doch bauten die Mailänder sie wieder auf; 1163 wurde sie aufs neue von den ghibellinischen Pavesen zerstört; 1336 nahm der Markgraf von Montferrat die Stadt und befestigte sie stark. Vom 15. bis 17. Jahrh. gehörte sie zum Herzogtum Mailand. Im Spanischen Erbfolgekriege und im ital. Kriege von 1733 bis 1735 und 1744 bis 1745 wurde sie mehrmals erobert und wieder verloren, 1796 von der Republik Frankreich genommen, und 1799 geschleift, dann von den Ssterreichern wieder erobert, nach der Schlacht bei Marengo den Franzosen zurückgegeben, die sie aber 1814 wieder an Sardinien überlassen mußten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 764Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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