Tournai (vläm. Doornih, Stadt auf beiden Seiten der Schelde in der belg. Provinz Hennegau, an der Belgischen Staatsbahn (Linien Gent-T., Jurbise-T., Renair-Rumes, Blaton-T.), ist Sitz eines Bischofs, hat sieben Vorstädte, schöne Straßen und Kais, einen aus dem J. 1187 stammenden, 1852 restaurierten Belfried (beffroi) mit Glockenspiel, viele Kirchen, unter denen, außer St.⸗Quintin und St.⸗Jacques, die angeblich vom Frankenkönig Childerich gebaute, höchst sehenswerte Kathedrale (roman. Stils) mit schönen Gemälden (von Jordaens, Rubens, Gallait u. a.) und fünf Türmen sich auszeichnet. Die Stadt besitzt ein königl. Gymnasium, eine Malerakademie, eine Gemäldesammlung, eine Gesellschaft für Litteratur und Geschichte, ein Gericht erster Instanz, eine Bibliothek von mehr als 30000 Bänden und 248 Handschriften, ein bischöfl. Seminar, fünf Hospitäler und ein Irrenhaus und zählt (1882) 33 773 CE., welche wollene Stoffe, Strumpfwaren, sehr geschätzte Teppiche, Leinwand, Band, Fayence, Seife und Lichter fertigen und Handel mit diesen Fabrikaten, mit den in der Nähe gebrochenen Bau-Tund Pflastersteinen, Schiefer, Kalk, sowie mit Getreide treiben. T., das alte Tornacum oder Turris Nerviorum der Römer, war im 5. und 6. Jahrh. Sitz der merovingischen Könige, gehörte dann zu Frankreich, wurde aber im Madrider Frieden von 1525 mit den span. Niederlanden vereinigt und 1581 heldenmütig von der Fürstin d'Epinoy (Marie de Lalaing), welcher 1863 ein Denkmal von Dutrieuxs errichtet worden, gegen den Herzog von Parma verteidigt. Von Ludwig XIV. 1667 nach langer Belagerung erobert, blieb es im Aachener Frieden bei Frankreich, wurde hierauf durch Vauban 1670 ansehnlich befestigt, jedoch 1709 von den Verbündeten unter Prinz Eugen und Marlborough wiedergenommen und im. Utrechter Frieden 1713 an Ssterreich zurückgegeben und als einer der acht Barrièreplätze von den Holländern besetzt. Unter Ludwig XV. wurde es 1745 wieder von den Franzosen gewonnen und bis zum Aachener Frieden 1748 behauptet. Nach Aufhebung des Barrieretraktats 1781 durch Kaiser Joseph 11. schleifte man die Werke, stellte sie aber, nachdem T. im ersten Pariser Frieden von Frankreich an die Niederlande zurückgegeben worden, wieder her. In neuester Zeit sind sie jedoch abgetragen worden; die ehemaligen Wälle dienen jetzt als Promenaden.