FeedTowianski (Andreas)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Towianski (Andreas), poln. Mystiker, Sohn eines Gutsbesitzers, wurde 1798 in Litauen geboren und studierte auf der Universität Wilna. Im Jünglingsalter war er mehrere Jahre blind. Nachdem er auf eine angeblich wunderthätige Weise das Augenlicht wiedererlangt, wurde er Notar bei einem Kreisgericht, und schon damals sprach er von Offenbarungen, die er gehabt, von Unterredungen mit Geistern und Heiligen. Die Regierung ließ ihn wegen seines Treibens in ein Spital bringen. Freigelassen lebte er darauf zurückgezogen auf seinem Gute. Nach der poln. Revolution von 1830 ging er nach Petersburg und reiste später ins Ausland, fandten nach Posen, wo er sich für einen Gottgeandten ausgab und vergebens den Erzbischof Dunin zu gewinnen suchte. Er wandte sich nach Brüssel, um daselbst den General Skrzynecki zu bekehren. Für diesen schrieb er die sog. Biesiadar, in einer rt Sermon, die Grundlage seiner Lehre. Als der Versuch mißlang, ging er nach Paris, um auf die poln. Emigranten zu wirken. Eine geheimnisvolle Heilung der Gattin des Dichters Mickiewicz 1841 nn ihm dessen unbedingtes Vertrauen. Miciewicz wurde nun selbst, sogar vom Katheder, Verkünder der Lehre T.s, welche die völlige Umgestaltung der sozialen Zustände durch beständige Be-Lehre wa für Wahrheit und Liebe bezweckte. Diese ehre ward »Messianismuso benannt, und Mickiewicz entwickelte sie in L'église otticielle et le Messianismer (2 Bde., Par. 1842—43). Im J. 1841 trat T. öffentlich als Messias der Menschheit, insbesondere Polens auf und verkündigte die Wiederherstellung Polens als nahe bevorstehend. Die eifrigsten unter den Anhängern wurden zu einem Verein unter Vorsitz Mickiewicz' und T.s verbunden und hielten regelmäßige Sitzungen. Dies sowie die angebliche Vorhersagung des Todes des Herzogs von Orléans veranlaßte die Regierung, T. aus Frankreich zu verweisen. Er begab sich nach Brüssel, dann nach der Schweiz, später nach Rom. Auch von hier wegen seines Auftretens ausgewiesen, kehrte er nach der Schweiz zurück, und starb am 13. Mai 1878 in Zürich. Seine Sekte löste sich auf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 784Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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