Traktätchen heißen kleine, auf religiöse Bearbeitung der niedern Volksklassen berechnete Schriften, welche durch Agenten und Kolporteure herumgetragen und meistens unentgeltlich verbreitet werden. Sie gelten bei den Vereinen pietistischer Richtung als ein Hauptbeförderungsmittel ihrer Tendenzen und werden von förmlich eingerichteten sog. Traktätchengesellschaften oder Traktätchenvereinen geschaffen und unter das Volk gebracht. Diese Vereine sind meist mit den Missionsgesellschaften verbunden. Sie entstanden, wie diese, zunächst in England, verbreiteten sich von da nach Frankreich, Deutschland und andern Ländern und entwickeln unausgesetzt eine große Thätigkeit. Namentlich werden in Deutschland aus dem Wupperthale, durch den Calwer Verlagsverein, durch das Rauhe Haus in Hamburg, durch den Evangelischen Bücherverein in Berlin, durch die Evangelische Gesellschaft in Stuttgart u. s. f., in der Schweiz durch den Verein zur Verbreitung echristl. Schriften in Basel etc. eine große Menge von T. verbreitet.