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VerkehrBrockhaus 1882

Transportable Eisenbahnen (auch Arbeits⸗, Feld⸗, Wald⸗, Roll⸗ oder fliegende Eisenbahnen genannt) sind Eisenbahnen (s. d.), bei denen die Gleise auf die natürliche oder doch nur an einzelnen Stellen und in geringem Maße vorbereitete Erdoberfläche verlegt werden, sodaß die Herstellung dieser Eisenbahnen, wie auch die Veränderung der Lage derselben rasch und leicht ausführbar ist. Eisenbahnen dieser Art finden vielfache Verwendung in gewerblichen Anlagen und Bergwerken, außerdem für land⸗ und forstwirtschaftliche, sowie für militärische Zwecke, bei Ausführung von Erdarbeiten für Eisenbahnen u. dgl. m. Die Gleise solcher Eisenbahnen müssen aus einzelnen vollständigen Jochen (je 2 Schienen mit den nötigen Querverbindungen ISchwellen] und Befestigungsmitteln) bestehen, welche von passender Länge und leicht aneinanderzuschließen und wieder loszunehmen sind; sie müssen möglichst einfach in ihrer Anordnung und leicht sein, damit zum raschen Legen und Verändern der Lage keine besonders geschulten Arbeiter und keine besondere Aufsicht erforderlich sind. Bei genügender Widerstandsfähigkeit müssen die Gleise die nötige Elasticität besitzen, damit sie auf ungeebnetem Boden und bei ungünstigen durch die Fahrbetri nach erfolgter Beanspruchung durch die ahrbetriebsmittel möglichst die ursprüngliche Lage beibehalten, aber ——5 damit ungleichmäßige Belastungen, sowie Temveratur⸗ und Witterungswechsel keine Brüche, Spurveränderungen oder Trennungen der Joche hervorrufen. Die in Anwendung gekommenen transportabeln Eisenbahnen sind in sehr verschiedenartiger, den angegebenen Bedingungen mehr oder weniger entsprechender Weise gestaltet. Eine der bekanntesten Anordnungen ist die von Décauville, einem Landwirt in Petitbourg, im J. 1876 erfundene. Bei diesem System besteht die bewegliche Schienenbahn aus einzelnen Teilen von 3,25 me und 1,25 m Länge, welche mit em Spurweite aus leichten (je nach dem Zwecke der Bahn 4 bis 10 kg auf das laufende Meter wiegenden) breitbasigen Schienen und eisernen, an die Schienenfüße genieteten Querbändern zusammengesetzt sind. Diese Gleisteile werden dadurch miteinander verbunden, daß die an einem Ende der Schienen innen angenieteten Laschen unter die Köpfe der anstoßenden Schienen üden Wagen werden. Die auf diesen Gleisen laufenden Wagen sind je nach den zu befördernden Gegenständen (Erdmassen, Steine, Erze, Baumstämme, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kriegsbedürfnisse u. s. w.) verschiedenartig gestaltet. Die Fortbewegung der Wagen auf den Gleisen kann durch Menschenhand, durch Pferde oder durch mechanische Kraft (Dampf, Schwerkraft u. dgl.) erfolgen. Im J. 1881 waren in Frankreich etwa 1300 km Schienengleise nach System Decauville mit etwa 1500 Wagen in Anwendung. Ein anderes System ist das von Corbin. Bei demselben hat das Gleis 0,4e m Spurweite und besteht aus hölzernen Rahmen von 80 mm hohen und 40 mm starken Latten, die durch Querhölzer und durchgehende Schraubenbolzen verbunden, sowie mit Schienen von Bandeisen benagelt sind. Bei den auf der hamburger landwirtschaftlichen Ausstellung im Juli 1883 prämiierten und in neuerer Zeit vielfach in Anwendung gekommenen transportablen Eisenbahnen von Paul Dietrich in Berlin sind Schienen und Schwellen (Brückenform) aus Bessemerstahl gefertigt. Die Gleisanlagen dieses Systems werden in verschiedener Art gestellt, je nachdem dieselben einen mehr bleibenden Charakter haben oder ein häufiges schnelles Verändern der Bahnlage notwendig ist. Die Spurweite der Gleise wird je nach dem besondern Zweck der Anlage zu 0,4 bis 150m angenommen. Bei dem Feld⸗ und Waldbahnensystem von Studier in Berlin sind die Schienen an dem einen Ende durch eine Kiefernholzschwelle, welche 45 mm hoch ist, an dem andern Ende durch eine starke Querverbindung aus demselben Holze, beide mit Carbolineum getränkt, vermittelst starker gerippter Unterlagen aus schmiedbarem Guß zu Jochen verbunden. Eine besondere Anwendung haben die transportablen Eisenbahnen in neuerer Zeit bei Reisen in Afrika gefunden, wo sie zur Beförderung der Boote an den Stellen verwendet werden, wo Stromschnellen die Wasserstraße unfahrbar machen. Es werden dabei Gleisstücke von 0O,m Spurweite mit 6,3 bis 7,5 Kg auf das laufende Meter schweren Schienen und zerlegbare Wagen verwendet. Das mitzunehmende Gleisstück braucht nur etwas mehr als die doppelte Länge der zur Beförderung der Boote erforderlichen Wagen zu haben, da dasselbe inter dem Wagen aufgenommen und vor demelben wieder verlegt wird. Die Gesamtlast der nach System Decauville gefertigten transportablen Cisenbahnen, welche Balay und Mizon bei einer Reise in das mittlere Afrika mit sich nahmen, betrug etwa 80 Ctr. Diese Reisenden konnten mit dieser Eisenbahn 7 Boote von zusammen 400 Ctr. Gewicht mit Leichtigleit fortschaffen. Vgl. Heusinger von Waldegg, «»Handbuch für spezielle Eisenbahntechniko +1 5, Opz. 1878); Runnebaum, Die Waldeisenbahnen⸗ (Berl. 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 803Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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