Treviso oder Trevigi, die Hauptstadt der gleichnamigen ital. Provinz (2437,6am mit 118811 381082 C.), 30 km im NNW. von Venedig, Station der Eisenbahnen Cormons-Venedig, T.⸗Vicenza, T. Cornuda und T. Motta di Livenza, links am Sile, ist Sitz eines Bischofs, der Präfektur, eines Tribunals erster Instanz und einer Handels⸗ und Gewerbekammer und zählt (1881)17374 (Gemeinde 30300) E. Es bestehen an wissenschaftlichen Anstalten ein Lyceum, ein Gymnasium, ein Seminar, eine Akademie der Wissenschaften (Ateneo) und eine Bibliothek von 30000 Bänden. Die 1260 und 1318 gestiftete Universität ist längst nach Padua verlegt. Die Straßen sind eng, die Bauart venetianisch, die Häuser mit Arkaden versehen. Sehenswerte Gebäude sind: die aus dem Anfang des 12. Jahrh. stammende, im 15. Jahrh. durch Pietro Lombardi restaurierte, aber erst in neuester Zeit ausgebaute Kathedrale San-Pietro mit fünf Kuppeln, Wandgemälden von Ant. da Pordenone (4520), dem Grabmal des Bischofs Zanetti von Tullio Lombardo und Bildern von Tizian, Bordone, Bissolo und Girolamo da Treviso; die alte große got. Kirche San-Niccold, 1310—52 erbaut, mit dem Grabmal des Senators Conte d. Onigo; der neue großartige Palast des Tribunals; die Hauptwache mit einer Loggia von vier dor. Vilastern; das Theater Onigo und die Gefängnisse. Im Monte di Pietà (Leihhaus) befindet sich ein meisterhaftes Bild von Pordenone, welches die Grablegung Christi darstellt. Unweit der Stadt liegt die Villa Maser, ein Bau des Palladio von 1580, mit Fresken von Paolo Veronese. Auf der Piazza dell' Indipendenza steht ein Denkmal zur Erinnerung an die Befreiung von der österr. Herrschaft, im J. 1875 von Borrd gefertigt. Die Stadt bat viele Leinwand⸗ und Papiermanufakturen, sowie mehrere Seidenzeug- und Tuchfabriken, außerdem eine große Metallwarenfabrit und lebhaften Handel mit Industricerzeugnissen Vieh und Getreide. Sie ist von einem im 15. Jahrh. von Fra Giocondo angelegten, mit Mauern verkleideten Wall von 8 bis 10 m Höhe umschlossen, welchen 13 Bastionen flankieren und vor dessen Südseite der Sile vorbeifließt. T., im Altertum und mittellat. Tarvisium in Venetia an der Via Postuma, wurde 776 von Karl d. Gr. belagert und eingenommen, trat 1167 dem Lombardischen Städtebunde bei und war im 13. Jahrh. der Hauptsitz des grausamen Czelino di Romano. Es wurde 1329 durch Mastino II. della Scala von Verona erobert, von diesem 1339 an Benedig, von letzterm 1381 an Leopold II. von Osterreich, von Leopold endlich 1384 an die Carrara von Padua verkauft, nach deren Sturz 1388 die Stadt nebst Gebiet an Venedig kam. Dieselbe teilte nun dessen Schicksal bis 1797, wo sie von den Franzosen unter Mortier (s. d.), der 1808 dafür den Titel eines Herzogs von T. erhielt, eingenommen wurde. Bald darauf erfolgte die Erhebung des Ortes zur Hauptstadt des Depart. Tagliamento. Am 16. Jan. 1801 schlossen hier die Franzosen einen Waffenstillstand mit den Osterreichern, und 5. Mai 1809 lieferten sich in der Nähe, bei dem Dorfe Postuma, beide Parteien ein Gefecht. Am 21. März 1848 brach zu T. eine revolutionäre Bewegung aus, der zufolge die schwache österr. Besatzung die Stadt räumte. Am 11. Mai wurden hier die Piemontesen zurückgeschlagen und darauf die Stadt von Nugent beschossen. Ein zweites Bombardement unter Welden hatte 24. Juni die Kapitulation an Osterreich zur Folge. Nach dem Wiener Frieden kam 1866 die Provinz T., wie ganz Venetien, an das Königreich Italien.