Trient (ital. Trento, lat. Tridentum), die Hauptstadt Welschtirols, die größte und user die bevölkertste Stadt Tirols, liegt am linken Ufer der schiffbaren, hier von einer 40 m langen Steinbrücke überspannten Etsch und an der Brennerbahn, in fruchtbarem, reizendem Thale, umgeben von hohen, auf der Ostseite sanft ansteigenden Kalkgebirgen. Die Stadt überrascht durch ihre Bauart, indem hier auf einmal überall ital. Stil hervorblickt. Unter den öffentlichen Plätzen zeichnet sich besonders der Domplatz oder Piazza-Grande aus, auf dessen östl. Seite der 35 m hohe Stadtturm steht. Seine Mitte ziert ein herrlicher Brunnen aus rotem Marmor, dessen oberste kolossale Statue den Neptun mit dem Dreizack (dem Symbol des, jedoch anders abzuleitenden, Namens der Stadt) darstellt. Unter die merkwürdigsten öffentlichen Gebäude gehören von den 13 Kirchen der Dom, ein majestätisches Werk mit drei Schiffen im byzant. Stil, ganz aus Marmor aufgefuhrt, dessen Bau im 10. Jahrh. begann und im 16. vollendet wurde: die Kirche Sta.⸗ Maria-Maggiore, ganz aus braunrotem Marmor erbaut, mit einem hohen Glockenturm und einer großen Orgel und besonders dadurch merkwürdig, weil hier in der dritten Konzilsperiode vom 18. Jan. 1562 bis 3. Dez. 1563 die Kongregationssitzungen des Tridentinischen Konzils abgehalten worden sind. Im Chor der Kirche zur linken Seite des Hochaltars defindet sich ein großes Slgemälde, welches eine hier abgehaltene Konzilssitzung darstellt. Ahnliche interessante Konzilsbilder sind noch außerdem in der Sakristei des Doms und im großen Saale des Municipiums vorhanden. Ferner sind zu nennen die Kirche San-Pietro, deren Fafade im got. Stil 1850 neu hergestellt wurde; die Kirche der Jesuiten, jetzt Seminarkirche genannt, mit den reichsten fremden Marmorgattungen verziert; die Kirche della Annunziata, deren hohe Kuppel von vier ungeheuern, aus einem Stück gearbeiteten Säulen von rosenrotem Marmor getragen wird, und die Kirche des ehemaligen Augustinerllosters San-Marco, worin deutscher Gottesdienst gehalten wird. Außerdem sind zu erwähnen: das Theater, welches 1400 Personen faßt, das Rathaus, das wegen seiner Größe und Bauart imposante Kastell nächst dem Thore Acquila am Beginn des weiten Exerzierplatzes (Piazza d'armi), einst Sitz der Fürstbischöfe, jett Kaserne, der Palast Zambelli (von dem Augsburger Georg Fugger 1581 erbaut), und der Palast Tabarelli (jetzt Salvadori), der von Bramante d'Urbino ganz aus rötlichem Marmor erbaut und dessen Fagade mit einer Masse Bildnisse geziert ist, sowie die großartigen, von cannelierten weißen Marmorsäulen gebildeten Arkaden im Gottesacker. Im Dom ist besonders sehenswert der Hochaltar, aus afrik. Marmor, nach dem Hochaltar in der Peterskirche zu Rom geformt, errichtet infolge eines Gelübdes der Kommune bei Gelegenheit der Belagerung der Stadt 1703 durch den franz. Marschall Vendome; ferner die Kapelle des Crucifixes und die Grabstätte des Kardinals Bernh. von Cles. In der Sakristei werden der silberne Sarg des heil. Vigilius, einige alte silberbeschlagene Meß⸗ und Cvangelienbücher des Bischofs Friedrich von Wangen aus dem 13. Jahrh., dann die sieben berühmten Hautelissen, ehemals im Kastell di Buon Consiglio befindlich, gezeigt. In der Kirche Sta.⸗Maria-Maggiore sind vorzüglich merkwürdig: die große Cantoria aus carrarischem Marmor mit den herrlichen Basreliefs und sonstigen ausgezeichnet gemeißelten Verzierungen, sowie ein großes Altarbild von Buonvicino, genannt il Moreto, die vier großen Kirchenlehrer darstellend. In der Gymnasialkirche ist die Muttergottes, von Giorgione, und in der Martinskirche der sterbende Martinus, von Cignaroli, sehenswert. Herrliche Freskogemälde enthält die Fagade des Hauses des Grafen Kloz lietzt Ferrari) zu San-Marco, sowie das Kastell, wo unter den Kardinälen Bernh. von Cles und C. Madruzzo die besten Kräfte der ital. Malerschule des 16. Jahrh. auf längere Zeit thätig waren. Im Hause des Baron Val. Salvadori in Via Lunga befinden sich lebensgroße Porträts von der Hand Tizians, Morones und Ban Dycks. In der Bürgerbibliothek werden die Münz⸗ und Antikensammlung Giovanellis und die Büchersammlung Mazettis, beide vorzugsweise auf Welschtirol bezüglich, aufbewahrt. T. ist Sitz einer Statthalterei⸗-Abteilung für Welschtirol, einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreis⸗ und städtisch-delegierten Bezirksgerichts (vereinigt in dem neuen großartigen Justizpalast unweit der Piazza d'armi), sowie eines Fürstbischofs mit einem Kapitel von acht Domherren. Die Stadt hat (1880) 19585 E., deren Lebensweise und Sprache ganz italienisch ist, und die ihren Haupterwerb in der Seidenfabrikation, im Weinbau, in aktivem und starkem Transitohandel finden. Außerdem gibt es daselbst Salamifabriken, deren Produkte nach Ssterreich und Deutschland unter dem Namen Veroneser Salami versendet werden; ferner zwei Spielkarten⸗ und eine Geschirrfabrik, mehrere Gerbereien und Färbereien, eine Tuchfabrik, große Branntwein⸗ und Weingeistfabriken, sowie Zuckerkonfitürenfabriken, die viel Absatz nach Oberitalien und Bayern haben, reiche Marmorbrüche, welche einer beträchtlichen Anzahl Steinmetzen Arbeit geben, und einen ergiebigen Gipsbruch. Von höhern Unterrichtsanstalten besitzt T. ein fürstbischöfl. Seminar mit vollständigem theol. Studium, ein ital. Obergymnasium mit deutschen Parallelklassen, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, Handelsschule, 1017 schule für Marmorindustrie. Ferner bestehen daselbst ein Taubstummeninstitut, fünf Klöster und verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten. In T. wurde 1545 —63 ein berühmtes Konzil (s. Trid entinisches Konzil) abgehalten. Auf dem rechten Etschufer erhebt sich über dem Vorort Pie di Castello der 289 mhohe Felskegel Doß di Trento mit Befestigungen, als Verrucad schon von den Römern besetzt. Vgl. Barbacovi, Memorie storiche della citta del territorio di Trentor (Trient 1808); Lupi, (Topografia della città di Trentop (2 Bde., Trient 1831); Perini, «Statistica del Trentinop (2 Bde., Trient 1852); derselbe, Trento e suoi contornip (Trient 1859); Ambrosi, TTrento e il suo Circondarioo (Trient 1881); &Sommario della Storia Trentinad (Borgo 1881); 4Scritteri ed Artisti Trient-Arco und Umgebung » (Reichenberg 1884).