Trier, vormaliges deutsches Erzstift und Kurfürstentum im ehemaligen Kurrheinischen Kreise, begrenzt vom Fürstentum Nassau, Erzstift Köln, Herzogtum Luxemburg, Herzogtum Lothringen, Kurfürstentum Pfalz bei Rhein, der Landgrafschaft Hessen-Rheinfels und endlich der Grafschaft Katzenelnbogen, umfaßte ein Areal von etwa 8300 akm mit 280600 meist kath. E. Der Kurfürst von T., der sich den Titel «Kanzler durch Galliav beilegte, war der Reihenfolge nach der zweite Kurfürst in Deutschland. Das Land teilte sich in das obere und das niedere Stift, letzteres mit der erzbischöfl. Residenz Koblenz (s. d.). Das Erzstift entstand aus dem angeblich schon im 1. Jahrh. gestifteten Bistum in T. Letzteres war das älteste in Deutschland. Unter den Erzbischöfen sind zu nennen der Graf Balduin von Luxemburg, 1307—53, Bruder Kaiser Heinrichs VII. und der Begründer der Macht des Erzstifts wie des luremburg. Kaiserhauses: der Graf Richard von Greiffenklau, 151131, der dem Eindringen der Reformation in das Erzstift wehrte; der Herzog Karl Joseph von Lothringen, 1711—15; der Pfalzgraf Franz Ludwig von Neuburg, 1716 —29, der sehr viel zur Verbesserung des Rechtszustandes seines Landes that, und der letzte Kurfürst, der Prinz Clemens Wenzel von Sachsen, der 1768 erwählt wurde. Derselbe hatte, gleich seinem Vorgänger, den berühmten Johann Nikolaus von Hontheim (s. d.) D4. Weihbischof; auch nahm er regen Anteil an der Emser Punktation, doch trat er mit dem Erzbischof von Mainz wieder zurück. Beim Ausbruch der Französischen Revolution sammelten sich im Trierschen, namentlich in Koblenz, die franz. Royalisten. Nachdem die Franzosen 1794 Trier und Koblenz genommen, wurde das triersche Land auf dem linken Rheinufer zu Frankreich geschlagen und, nachdem auch die Festung Ehrenbreitstein sich 1799 hatte ergeben müssen, fast das ganze Kurfürstentum mit Frankreich vereinigt. Im Frieden zu Luneville wurde 1801 die Säkularisation des Erzstifts bestätigt, der auf dem rechten Ufer gelegene Landesteil meist mit Nassau verschmolzen, das Kurfürstentum aufgehoben und der Kurfürst, der zu Augsburg 27. Juli 1812 starb, durch eine jährliche Pension von 30000 Fl. entschädigt. Nach dem Pariser Frieden kam das Land wieder an Deutschland, und zwar bis auf einige wenige Stücke an Preußen, während der Herzog von Sachsen-Coburg davon das nachherige Fürstentum Lichtenberg, das aber Preußen 1834 auch erwarb, der Großherzog von Oldenburg Birkenfeld und der ton Meit von Hessen-Homburg den ehemaligen Kanton Meisenheim (seit 1866 ebenfalls preußisch) erhielt. Preußen schlug damals das triersche Land zum Großherzogtum Niederrhein; gegenwärtig bildet es den Regierungsbezirk Trier und einen Teil des Regierungsbezirks Koblenz der Rheinprovinz. Vgl. Hontheim, «Mistoria Trevirensis diplomatica et pragmaticas (3 Bde., Augsb. 1750); derselbe, «Prodromus historiae Trevirensisv (2 Bde., Augsb. 1757); Conrad, (Triersche Geschichte bis 1784% (Hadamar 1822); 4Gesta Trevirorumo, herausgegeben von Wyttenbach und Müller (3 Bde., Trier 1836—39); Marr, „Geschichte des Erzstifts T.v (4 Bde., Trier 1857—64); Vertheau, „Die Gesta Trexirorum von 1152 bis 1259,(Gött. 187 4