FeedTröltsch (Ant. Friedr., Freiherr von)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Tröltsch (Ant. Friedr., Freiherr von), ausgezeichneter deutscher Ohrenarzt, geb. 3. April 1829 zu Schwabach bei Nürnberg, studierte 184748 zu Erlangen die Rechte, 1848—49 in München Naturwissenschaften, von 1849 an (mit Unterbrechung von acht Monaten in Wien) bis 1853 in Würzourg Medizin und besuchte dann die Poliklinik in München. Hierauf widmete er sich besonders dem Studium der Augen⸗ und Ohrenkrankheiten, und zwar längere Zeit bei Gräfe in Berlin, bei Arlt in Prag, der Ohrenheilkunde wegen bei Wilde in Dublin und bei Toynbee in London. Im Winter 1855⁵/56 schrieb er zu Paris Reisebriefe über den Zustand der Augen⸗ und Ohrenheilkunde in Großbritannien und Irlando. Zugleich brachte er eine neue Methode zur Untersuchung des Ohrs mittels Konkavspiegels und Tageslichts auf, die sich überall Bahn brach. Im J. 1856 begab sich T. nach Würzburg zurüc, widmete sich seit 1857 daselbst der Praxis als Augen⸗ und Ohrenarzt und habilitierte sich mit der Dissertation über »Die Anatomie des Ohrs in ihrer Anwendung auf die Praxis und die Krankheiten des Gehörorganso (Würzb. 1861) als Docent für Ohrenheilkunde zu Würzburg. Nachdem T. 1864 zum außerord. Professor für Ohrenheilkunde ernannt worden war, gründete er in demselben Jahre das «Archiv für Ohrenheilkunde, die erste Zeitschrift in diesem Fache. Seine Hauptwerke sind ein Lehrbuch der Ohrenheilkunde mit Einschluß der Anatomie des Ohrs» (Würzb. 1862; 7. Aufl., Opz. 1881) und Die chirurgischen Krankhelten des Ohrso (im großen, von Pitha und Billroth herausgegebenen „Handbuch der Chirurgiev, Bd. 3, Erlangen 1866), sodann Die Krankheiten des Gehörorgans im Kindesaltero (in Gerhardts »Handbuch der Kinderkrankheiteno, Tüb. 1879), endlich «Gesammelte Beiträge zur pathol. Anatomie des Ohrs und zur Geschichte der Ohrenheilkunder (Lpz. 1883). Gustav Adolf Eugen, Freiherr von T., Vetter des vorigen, geb. zu Ulm 28. April 1828, stand früher in württemb. Militärdienst und hat sich durch eine Reihe kartographischer Arbeiten bekannt gemacht. Hierher gehören Dislokationskarten der deutschen, sowie der franz. Armee, ferner eine Karte über die prähistor. Funde des Bodensees und seiner Umgebung u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 861Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Recht & Staat 6