Tundra (im Finnischen Tuntur), d. h. moosbedeckte Sümpfe, ist der russ. Name für die ungeheuern Ebenen, welche im nördl. Sibirien und westwärts vom Ural bis gegen das Weiße Meer und die Dwina hin auch im nördl. Europa das Eismeer begrenzen. Es sind sumpfige, teils mit einem dichten Filz von Laubmoosen, teils mit einer dürren, schneeweißen Decke von Renntiermoos und verschiedenen Arten Flechten überzogene Länderstrecken, das Gebiet kryptogamischer Gewächse, eine furchtbare Wüste, meist mit gefrorenem Boden, nur von dem Renntier bewohnt und durch dasselbe bewohnbar für die Polarvölker, namentlich die Samojeden (s. d.), für schweifende Nomaden und Jägerhorden, denen die See⸗ und Pelztiere sowie Schwäne und wilden Gänse zur Beute werden, die zum Sommer in großen Scharen herbeiziehen. Im Winter sind die Tundren am leichtesten zu betreten, weil dann der Boden gefroren ist; im kurzen Sommer dagegen, wenn deren Oberfläche auftaut, verwandeln sie sich in unwegsamen Morast. Vgl. Schrenk, Reise nach dem Nordosten des europ. Rußland durch die Tundren der Samojeden 18375 (Dorpat 1848); F. von Wrangel, «Reise längs der Nordküste von Sibirien und auf dem Eismeer in den J. 1820—245 (Berl. 1839); Gilder, (Ice-Pack and Tundray (deutsch: „In Eis und Schneey, Lpz. 1884.