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ErdkundeBrockhaus 1882

Turkmanen, Turkomanen, Turkmenen oder Truchmenen ist der sehr unbestimmte, ethnographisch ziemlich wertlose Name eines weitverbreiteten Zweigs der türk.⸗tatar. Völkerfamilie. Man unterscheidet der geogr. Übersicht, nicht der (unbekannten) Stammeseigentümlichkeit wegen westliche T. in Syrien, Kleinasien und selbst in Macedonien (von Murad IV. angesiedelt) und östiche T., zersprengte, mehr oder weniger bch und und starke Stämme rings um die Ost⸗, West⸗ und Südgestade des Kaspischen Meers, in Westturkestan, in Masanderan, Chorasan und felbst in Afghanistan. Den ausgedehntesten Besitz haben sie in der turan. Ebene, dem westl. Teile von Turkestan, wo nach ihnen das weite, auf der Ostseite des Kaspischen Meers, zwischen diesem, dem Aralsee und Dschihon oder Amu und dem pers. Berglande Chorasan gelegene Steppen⸗ und Wüstengebiet den Namen Turkmanenlandoder Truchmenenland oder Turkomania, die Landenge zwischen den beiden großen Seen insbesondere den Namen Truchmenen-Isthmus führt. Seitdem 9. April 1881 die Tecke-Turkmenen (f. d.F und Febr. 1884 die Turkmenen von Merw sich Rußland unterworfen haben, ist das ganze ehemalige Turkmenenland russisch; außerdem sind noch einige Stämme von Persien und Chiwa abhängig; die Gesamtzahl kann man auf 1 Mill. schätzen. Das Turkmanenland besteht aus einer im Sommer sehr heißen und wasserlosen, im Winter überaus kalten und schneebedeckten, nur im Frübjahr und Herbst durch Regen befeuchteten und pflanzentreibenden magern Steppe, die nur an den wenigen bewässerten Stellen anbaufähig ist. Große Strecken sind vollkommene Wüsten. Man produziert etwas Getreide, doch ist die Viehzucht (Kamele, Pferde, Rindvieh, Schafe, Ziegen) wichtiger. Die Turkmanenstämme leben meist nomadisch und sind, wie die ihnen verwandten Karakalpaken, sunnitische Mohammedaner, roh und unwissend. raubsüchtig, mit Gesetzen unbekannt und stehen unter Stammältesten. Als Hirten, Räuber und Krieger durchschweifen sie auf schnellen Rossen die turan. Steppen und Wüsten und sind die gefährlichsten Feinde der Handelskarawanen, die gefürchteten Nachbarn der Perser, welche als Schiiten von den T. gehaßt werden. Vgl. Vambery, „Das Türkenvolk in seinen ethnolog. und ethnograph. Beziehungen⸗ (Lpz. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 918Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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